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So leben Studenten in MV : Wohnloft oder Wohnloch?

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Putzfimmel oder Hausschimmel? Durchgelernte oder durchgefeierte Nächte? Was ist Klischee und was Realität?

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erstellt am 16.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Spätestens seit dem Film „Wir sind die neuen“ von Ralf Westhoff, hat sich das Bild des heutigen Studentenlebens in unseren Köpfen grundlegend geändert.   Die Charaktere Katharina, Barbara und Thorsten bereiten sich konsequent auf Prüfungen und Examen vor. Dabei bleibt das eigentliche Leben total auf der Strecke. Lockeres Lotterleben? Fehlanzeige. Laute Musik?  Party? Blaumachen? Tabu.  Stattdessen: Examensvorbereitungen, Verlobungen und Fotos vom Herd – als Beweis dafür, dass dieser auch wirklich aus ist.  Doch ist das eigentlich wirklich so? Sind die heutigen Studenten zu Nerdbrillen-tragenden, Sellerie-knabbernden, Geräusch-empfindlichen Spießern mutiert? Sind vom berühmten „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ nur noch Veganismus, Pilates und Helene Fischer übrig?  Wir haben auf Facebook die gefragt, die es wissen müssen: 99 Studenten aus MV beteiligten sich an unserer Umfrage zum Thema: „Wie leben Studenten in MV?“.   Mit überraschenden Ergebnissen – oder eben auch nicht.

Klischee Nr.1: Studenten leben auf engstem Raum
Der Wohnraum wird knapp, die Mieten steigen. In den Hochschulstädten hat der Kampf um jeden Quadratmeter längst begonnen. Bewaffnet mit Schufaauskunft, Lebenslauf und Kontoauszügen, machen sich jedes Semester aufs Neue  Tausende Studenten auf den Weg zu Massenbesichtigungen von Wohnofferten. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben in Form von winzigen Einraumwohnungen im Randbezirk. Oder? Wie zufrieden sind Studenten mit der Größe ihrer Unterkunft?„Mehr geht immer, aber ich bin zufrieden“, lautet die doch irgendwie überraschende  Antwort von 68 Prozent der Befragten. 17 Prozent gaben sogar an, „Platz ohne Ende“ zu haben. Von wegen Leben in einer Streichholzschachtel: Lediglich 13 Prozent haben die Möglichkeit – positiv formuliert – von ihrem Bett aus alles in ihrem Zimmer erreichen zu können. Ihre Unterkunft lassen sich die Studenten einiges kosten. 30 Prozent von ihnen gaben an, mehr als 300 Euro für Miete auszugeben. 17 Prozent sogar über 400 Euro.

Klischee Nr. 2: Studenten sind immer pleite
Tagsüber in der Uni, Abends in der Bibliothek. Zeit zum Arbeiten bleibt Studenten da kaum. Oft müssen sie deshalb jeden Cent umdrehen, vor allem, wenn die Eltern nicht die Möglichkeit haben, die Kinder finanziell zu unterstützen. Im Schnitt haben Studenten monatliche Einnahmen von 778 Euro. 2009 waren es noch 832 Euro.   Das geht aus der aktuellen Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks hervor. Demnach gehören Studenten zu den untersten Einkommensschichten in Deutschland. 52 Prozent der Studenten in MV gaben in unserer Umfrage an, mit ihrem Geld „gerade so über die Runden zu kommen“. Jeder Fünfte sagte, sich über Geld keine großen Gedanken machen zu müssen. Doch für 23 Prozent ist monatlich am Ende des Geldes noch immer zu viel Monat übrig.  Doch was leisten sich die Studenten von dem Geld, was sie haben?

Klischee Nr. 3: Studenten besitzen nur das Nötigste
Logisch. Wer kein Geld hat, kann sich nichts leisten. Doch für einen gewissen Komfort sind laut unserer Umfrage 58 Prozent der Studenten in MV bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Während die früheren Generationen sich mit einem Bett und Tisch zufrieden gaben, muss es heute doch ein bisschen mehr sein. Ganz wichtig: das WLan. Eher verzichten Studenten auf Staubsauger, Handfeger und Besen, als auf das Internet. Jeder zweite Student verfügt zudem über eine Microwelle. Die Wäsche in der eigenen Waschmaschine waschen nur 77 Prozent. Überraschend:  Männer (81) verfügen eher über den Waschvollautomaten, als Frauen (74). Einen Flatscreen gibt es in jedem zweiten Studentenhaushalt. Eine Spielkonsole steht bei 42 Prozent der Befragten. Auch hier gibt es Unterschiede: 62 Prozent der Studenten und 34 Prozent der Studentinnen verfügen über das elektrische Spielgerät.  Und was fehlt den Studenten? „Ein Geschirrspüler“, sind sich die meisten einig. Über den verfügen nur 37 Prozent.  Apropos Geschirrspüler. Wie sauber ist es eigentlich bei unseren Studenten?

Klischee Nr. 4: Studenten sind extrem unordentlich
Das Geschirr stapelt sich bereits in der Dusche, weil in der Spüle kein Platz mehr ist. Der Wäschekorb quillt über, Essensreste liegen neben dem Rechner und wer niesen muss, wirbelt die Wollmäuse auf. Studentenwohnungen sind immer dreckig oder? Pustekuchen. 71 Prozent der Studenten gaben an, durchaus reinlich zu sein: Man wisse ja nie, wann Mama vor der Tür steht. Bei 15 Prozent sei es sogar so sauber, dass man vom Boden Essen könnte. Bei elf Prozent sei es jedoch so dreckig, dass man vom Boden essen könnte – Essensreste lägen da genug. Nur zwei Prozent der Befragten gaben an, dass es bei ihnen wirklich dreckig sei: „Das Sandwich, was mir vor einem halben Jahr herunter gefallen ist? Es heißt jetzt Willi und lebt bei mir.“

Klischee Nr. 5: Blumen wachsen bei Studenten nur knusprig
Irgendwie gehört es in jede WG. Dieser braun-gelbe Strunk im Blumentopf auf dem Küchenfensterbrett. Der einst ambitioniert gekaufte Basilikumtopf – wahrscheinlich  ist es schon der Dritte seiner Art – hat schon vor Monaten das zeitliche gesegnet. Und dennoch, wenn einer der WG-Mitglieder daran denkt, wird noch einmal kräftig gegossen – Vielleicht wird er ja noch einmal? Nein. Wird er nicht. Das wissen zumindest 34 Prozent der befragten Studenten – bei ihnen wachsen Pflanzen generell knusprig. 35 Prozent der Studenten sind deshalb gleich auf Kakteen umgestiegen. Aber immerhin: Ein Drittel kann sich freuen: „Mein Ocimum basilicum wächst und gedeiht.“

Klischee Nr. 6: Studenten feiern doch nur
Studenten sind jede Nacht und jedes Wochenende nur am Feiern. Laute Musik, wilde Partys – Deshalb will der Normalbürger ungern neben Studenten wohnen. Doch was ist dran an dem Klischee? Wir haben nachgefragt: Was macht ihr eigentlich nachts? Überraschung: 67 Prozent der Studenten gaben an: „Schlafen. Was sonst?“. Ein Drittel von ihnen gestand jedoch, die halbe Nacht auf zu bleiben – um die Lieblings-Serie zu Ende zu gucken. Klingt alles andere, als nach Partylöwen. Neun Prozent würden sich häufiger abends mit Freunden zu Spieleabenden verabreden. Und fünf  Prozent gaben an, nachts sogar zu lernen. Leise, versteht sich. Nicht einmal jeder fünfte Student gab an, nachts zu feiern.

Klischee Nr. 7: Studenten ernähren sich schlecht
Ja, wie ist es denn nun? Ernähren sich Studenten nur von Pizza, Pommes und Burger oder von Paprika,  Pesto und Biotofu? Ernährung spielt eine immer wichtigere Rolle. Auch bei Studenten. 60 Prozent von ihnen gaben an, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Jeder fünfte Befragte gab an, auf Lebensmittel, die einst Augen hatten – sprich Fleisch, zu verzichten. 26 Prozent sind auch mit weniger zufrieden: „Alles da, was ich brauche: Alkohol und Schokolade.“

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