Statistik : Woher kommen die Flüchtlinge?

Ein flüchtendes Ehepaar aus Syrien sitzt vor dem Eingang eines Zeltlagers bei Opatovac, Kroatien auf dem Boden. Viele Syrier suchen auch in MV Asyl.
Ein flüchtendes Ehepaar aus Syrien sitzt vor dem Eingang eines Zeltlagers bei Opatovac, Kroatien auf dem Boden. Viele Syrier suchen auch in MV Asyl.

Die meisten sind Wirtschaftsmigranten? Die Zahlen des Bundesamtes belegen das Gegenteil

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23. September 2015, 08:00 Uhr

Die meisten Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht von Krieg und politischer Verfolgung bedroht, sondern wollen am Wohlstand der Deutschen teilhaben? Das Vorurteil, das oft wiederholt wird, ist falsch. Vom 1. Januar bis 31. August dieses Jahres beantragten im Nordosten insgesamt 7035 Menschen Asyl. Die meisten kommen aus Syrien, wo seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg geführt wird. 2299 Syrer hat MV von Januar bis August aufgenommen, so das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Insgesamt haben in Deutschland in diesem Zeitraum 55  587 Syrer Asyl beantragt.

Die zweitmeisten Flüchtlinge sind Menschen aus der Ukraine, wo im Osten des Landes ebenfalls ein Bürgerkrieg Leid und Chaos brachte. 1187 Personen aus dem osteuropäischen Land wurden in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr bis Ende August aufgenommen. Aus Afghanistan, das seit Jahrzehnte keinen Frieden kennt, kamen im selben Zeitraum 432 Asylbewerber. Aus dem Irak, der zu Teilen von den Terrormilizien des Islamischen Staates kontrolliert wird, wurden nur sechs Asylsuchende im Nordosten aufgenommen. Die niedrige Zahl liegt an der Verteilung innerhalb Deutschlands, denn bundesweit hatten bis August 13 620 Iraker einen Asylantrag gestellt.

Aus Albanien, Kosovo, Serbien, Montenegro sowie Bosnien und Herzegowina, wo derzeit kein Krieg herrscht, kamen bis August 1367 Menschen nach Mecklenburg-Vorpommern, 966 von ihnen waren Albaner. Sie haben zwar nach deutschem Recht die Möglichkeit, einen Asylantrag zu stellen, aber ihre Aussichten auf einen Schutzstatus sind sehr gering. Mehr als 98 Prozent von ihnen bekommen kein Asyl und müssen zurück in die Heimat. Doch hier liegt das Problem. 3336 ausreisepflichtige Personen leben in Mecklenburg-Vorpommern – bei 2738 von ihnen wurde die Abschiebung ausgesetzt, weil Papiere verschwunden oder Familienangehörige krank gemeldet sind. Die Landesregierung hofft auf die Gesetzesänderungen des Bundes, die Abschiebungen künftig erleichtern sollen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.


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