zur Navigation springen

Stress im Wald : Wölfe bringen Jäger um den Festbraten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jagdausbeute in einigen Regionen kleiner / Forschungsprojekt analysiert Wild

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2014 | 07:38 Uhr

Der nach MV zurückgekehrte Wolf sorgt für Stress im Wildbestand: Bei den diesjährigen Jagden haben Waidleute in Südwestmecklenburg deutlich weniger Wild vor die Flinte bekommen. Jäger berichten von Rückgängen um bis zu 30 Prozent. Wildverarbeiter klagten bereits über fehlende Fleischlieferungen. Die Nachfrage sei gerade vor Weihnachten teilweise nur schwer zu decken.

Die Strecke falle regional unterschiedlich aus, erklärte Wilfried Röpert, Chef des Kreisjagdverbandes Ludwigslust. Doch da, wo der Wolf auftrete, sei das Wild verschwunden. Vor allem unter dem Rotwild mache sich Unruhe breit. „Die Tiere schließen sich zu großen Rudeln zusammen“, sagte Röpert – ein Zeichen für wachsende Unsicherheit im Wildbestand. Die Zahl der Großrudel nehme zu, erklärte auch Ingo Spindler, Chef der Wildverarbeitung Hagenow: Das Rotwild werde nervöser und sei immer schwieriger zu jagen. Gefahr auch in Brandenburg: Bis zu 150 Wölfe soll es dort inzwischen geben. „Zur Ehrlichkeit gehört auch die Feststellung, dass der Wolf Wild in Größenordnungen vernichtet“, erklärte Horst Battig vom Jagdverband Belzig.

Die Behörden in MV sehen indes keine Gefahr: Rückgänge beim Schalenwild seien nicht auf ein Vorkommen des Wolfes zurückzuführen, teilte das Agrarministerium mit. Erfahrungen aus Brandenburg zufolge gibt es aber Zusammenhänge zwischen wachsendem Wolfsbestand und sinkender Jagdausbeute. Ursache sei aber weniger, dass der Wolf viele Tiere fresse, sondern dass sich das Verhalten des Wilds mit dem Aufkommen des Wolfes verändere, heißt es beim Landesumweltamt in Brandenburg. Schätzungen zufolge benötigt ein Wolf etwa eineinhalb Tonnen Fleisch im Jahr.

In MV sind bislang zwei Wolfsrudel nachgewiesen worden – eines in der Region Lübtheen, ein weiteres in der Ueckermünder Heide, mit jeweils fünf bzw. vier Jungtieren. Röpert zufolge gibt es aber mehr Wölfe in MV, mindestens zwei Rudel in der Lübtheener Heide. „Und es werden mehr“, meint der Kreisjägermeister.

Der Wolf ist auf dem Vormarsch: Röpert zufolge hat es in Westmecklenburg mittlerweile sogar einen Fall gegeben, bei dem ein Jagdhund von dem Raubtier angefallen worden war. Die Wölfe seien schon „so dreist, dass sie mittags um 12 Uhr ungestört durch die Gegend ziehen“, erklärte Spindler: „Das wird in den kommenden Jahren zum Problem.“

Das Land will es jetzt genauer wissen: Bisher gebe es keinen Überblick über ein verändertes Wildverhalten, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. In MV sei daher ein Forschungsprojekt bewilligt worden, um die Auswirkungen der Wolfsrückkehr festzustellen.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen