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Schloss Torgelow : Wo aus Schülern Genies werden

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schloss Torgelow hat sich als Elite-Internat auch über Deutschlands Ländergrenzen hinaus einen Namen gemacht.

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Wenn eine Schule zu ihren Schülern und Alumni Gedächtnisweltmeister, erfolgreiche Autoren, Moderatoren, NASA-Mitarbeiter und „Jugend forscht“ Sieger rechnen kann, darf man sie zu Recht zur Elite zählen. Das Schloss Torgelow im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns hat sich einen Namen weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus gemacht.

Zu Torgelows Alumni zählt z.B. Christiane Stenger, die ihrer Zeit die jüngste Abiturientin Deutschlands war und seitdem vier Bücher geschrieben hat. Inzwischen moderiert sie die Sendung „Wie werd’ ich …?“ im ZDF Neo. Noch heute schwärmt die gebürtige Münchenerin von der Zeit im Internatsgymnasium. „In Torgelow habe ich den Spaß am Lernen wieder entdeckt. Nachdem ich noch ein halbes Jahr vor dem Schulwechsel in Mathe und Latein eine 5 im Zeugnis vorzuweisen hatte, schrieb ich das erste Mal wieder gute Noten. “ Und sie ist nicht die einzige, die in Torgelow über sich hinausgewachsen ist.

In der Sendung „Klein gegen Groß“, moderiert von Kai Pflaume, traten schon mehrfach Torgelower Genies an: Zuletzt waren es Maximilian Wilhelm (11) und Loris Gerl (10). Sie prägten sich alle Verse aus Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ ein und konnten sie den entsprechenden Bildausschnitten zuordnen. Vor großem Publikum traten sie gegen Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach an; und gewannen. Noch heute können sich die Jungs an die Aufregung davor erinnern. „Wir sollten mit einem Tandem ins Studio fahren und hatten Panik, dass wir umkippen“, sagt Loris. „Ich kann eben nur allein fahren“, rechtfertigt sich Max und lacht. Dass die beiden in so jungen Jahren bereits ein solches Potenzial abrufen können, liegt maßgeblich am Lehrkonzept Torgelows. Doch das hat auch einen stolzen Preis.

Pro Jahr müssen Eltern etwa einen Mittelklassewagen für die Bildung ihrer Steppkes ausgeben. Die Jahressumme für die Unterstufe beträgt derzeit etwa 32 000 Euro, Tendenz steigend. In den Kosten ist zwar sowohl die Schulbildung, wie auch die Unterbringung im Internat sowie eine Vollzeitverpflegung und ein umfangreiches Freizeitangebot inbegriffen. Trotzdem bleibt es ein Betrag, den wenige mittelständische Familie aufbringen können. Die Schulleitung beharrt jedoch darauf, ihre Schüler nicht des Geldes wegen, sondern nach Intelligenz und Lernbereitschaft auszuwählen. „Hochbegabung ist kein Aufnahmekriterium bei uns. Nur etwa 20 Prozent unserer Schüler sind als hochbegabt getestet“, erklärt Schulleiterin Heidrun Franke. „Wir erwarten auch von keinem Kind, in allen Fächern ausnahmslos sehr gute Leistungen zu bringen.“

Um die Kosten für eine Unterbringung im Schloss Torgelow zu stemmen, gäbe es die Möglichkeit, Stipendien zu vergeben, so die Schulleiterin. „Die Auswahl der Stipendiaten übernimmt ein unabhängiger Verein“, sagt die 52-Jährige. Im Regelfall werden dann 6000 Euro im Jahr zugeschossen. Doch besonders für Mecklenburger Kinder gibt es auch die Möglichkeit, als Tagesschüler in Torgelow unterrichtet zu werden. Dann fällt nur ein Bruchteil der besagten Kosten an und die Steppkes fahren täglich nach der Schule nach Hause. Momentan sind auf Schloss Torgelow 30 Tagesschüler. Der elfjährige Maximilian Wilhelm ist einer von ihnen. Er besucht die sechste Klasse und wohnt in Waren an der Müritz. Sein „Klein gegen Groß“-Partner Loris Gerl lebt im Internat. Er sieht seine Familie nur an den Wochenenden, denn die lebt in Bayern. Was die beiden später mal werden wollen, steht noch nicht wirklich fest. Max schwankt derzeit zwischen Schauspieler, Mediziner und Maschinenbau-Ingenieur. Loris wäre gern Pilot oder Schauspieler.

Dichter an der Berufswahl steht die 14-jährige Marielena Gamarnik. Sie besucht die zehnte Klasse und ist noch neu in Torgelow. An das Internatsleben hat sie sich schnell gewöhnt. „Es ist toll, dass man vom Bett gleich in die Unterrichtsräume fallen kann“, sagt sie und lacht. Denn die Internatsräume befinden sich direkt über den Klassenzimmern. Nur neun bis zwölf Schüler nimmt Torgelow in eine Klasse auf. „So können die Lehrer viel gezielter auf uns eingehen“, erklärt Marielena.

Ziel der Schule sei es, „ jedes der Kinder ganzheitlich zu fördern“, so die Schulleiterin. Also intellektuell, zwischenmenschlich sowie auch handwerklich. Dazu haben sie vor allem bei den über 70 Projekten, aus denen sie wählen können, die Möglichkeit. Von Drachenboot fahren über Psychologie und Judo bis hin zur Robotik ist alles vertreten.

Das Konzept geht auf. Schüler kommen aus aller Welt nach Torgelow. Im deutschlandweiten Vergleich stammen die meisten Schüler aus MV.

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