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Weltkriegsbeginn vor 75 Jahren : „Wir gehen dem Zerfall entgegen“

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Für mehr als 17 Millionen junge deutsche Männer begann damit ein blutiger Feldzug durch Europa. / Feldpostbriefe erzählen von Leid, Wut, Euphorie

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2014 | 11:45 Uhr

Vor genau 75 Jahren  begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Für mehr als 17 Millionen junge deutsche Männer begann damit ein blutiger Feldzug durch Europa. Ihre Feldpostbriefe erzählen von einer ganz eigenen Sicht auf Krieg und die Nazidiktatur – dem Blick aus der vordersten Front und von fern der Heimat.

Die Feldpost im Zweiten Weltkrieg unterstand nicht der Wehrmacht, sondern der zivilen Post. Die 12 000 Bediensteten der Truppe hatten bis zu 20 Millionen Personen zu versorgen. Außerdem ein Gebiet, das sich zeitweise vom Nordkap bis nach Nordafrika und vom Kaukasus bis zur französischen Atlantikküste erstreckte. Obwohl die Briefe absolute Priorität genossen – ähnlich schnell wurde nur der Waffennachschub an die Front gebracht –, dauerte es manchmal Monate, bis die Post beim Empfänger ankam, manchmal auch nur Tage. Nicht nur das: Oft waren die aufgebauten Verbindungen schon nach kurzer Zeit unbrauchbar, weil die Front sich verschoben hatte. Die Postler  mussten ständig zum Weitermarsch bereit sein. Selbst bei Eis und Schnee standen ihnen oft nur Zelte oder Planen zur Verfügung. 

Der 1989 gestorbene Privatsammler Reinhold Sterz hat mehr als 40 000 dieser Zeitdokumente gesammelt und ausgewertet. Ein Teil der Korrespondenz wurde 1987 in dem Buch „Das andere Gesicht des Krieges. Deutsche Feldpostbriefe 1939-1945“  veröffentlicht. Ein großer Teil der  Briefe kann  in der Bibliothek für Zeitgeschichte der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart eingesehen werden.

Es entstand eine einzigartige Chronologie des Zweiten Weltkrieges aus den Briefen. Es ist quasi eine authentische „Geschichtsschreibung von unten“, weil die Briefschreiber nie an eine Veröffentlichung dachten. Die Inhalte der Briefe sind Momentaufnahmen aus den verschiedenen Phasen des Krieges. Auf Euphorie folgten Ernüchterung und Verzweiflung.

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