40 Jahre Kult : VW Golf feiert Geburtstag

Im März 1974 rollte der erste Golf I in Wolfsburg vom Band. Er wurde mit seinen Nachfolgemodellen in den vergangenen drei Jahrzehnten zum erfolgreichsten jemals in Deutschland gebauten Auto.
Im März 1974 rollte der erste Golf I in Wolfsburg vom Band. Er wurde mit seinen Nachfolgemodellen in den vergangenen drei Jahrzehnten zum erfolgreichsten jemals in Deutschland gebauten Auto.

Von der Hausfrau bis zum Vorstand: Das Erfolgsmodell des Wolfsburger Autokonzerns hat viele Anhänger – auch im Nordosten

svz.de von
30. März 2014, 08:30 Uhr

Papst Benedikt XVI. fuhr früher einen und Angela Merkel angeblich nach der Wende. Der Volkswagen Golf ist das Erfolgsmodell des Wolfsburger Autobauers, seit Jahren Neuzulassungskönig hierzulande. Nun wird der Käfer-Nachfolger 40 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern – auch im Nordosten. Die Jungs der „VW Society Rostock“ werden auf das Jubiläum auf jeden Fall anstoßen, verrät Enrico Grethmann, eines von sieben Mitgliedern des Volkswagen-Fanclubs. Und sicherlich wird der runde Geburtstag auch Thema unter den Tausenden Besuchern sein, die sich jährlich zum VW Treffen Wittenberge einfinden. Das nächste startet vom 25. April auf dem Flugplatz Stendal in Sachsen-Anhalt.

Doch was ist eigentlich das Besondere am Golf? Ist es die Bauart, die Leistung oder vielleicht der Preis? Für Tunning-Fan Grethmann ist es eine Mischung aus allem. „Der Golf bleibt ein Auto für den Normalbürger, bezahlbar und durch die große Verbreitung auch entsprechend individualisierbar“, erzählt er. „Es gibt sehr viele Tuning- und Zubehörteile. Genauso passen durch die Baukasten-Bauweise bei VW sehr viele Teile anderer Fahrzeuge in den Golf. Und daraus wird am Ende dann im besten Fall ein ,alter’ VW Golf mit 500 PS und Porsche-Teilen.“

Welche Möglichkeiten es gibt, das beliebte Gefährt in einen einzigartigen Liebling zu verwandeln, ist auf nationalen wie internationalen Treffen der VW-Anhänger zu sehen, zu denen auch die Society-Mitglieder fahren. Hier können unter anderem Golf-Varianten aus allen Jahrgängen bestaunt werden – mit auffälligen Lackierungen, schicken Felgen und aufgemotzten Motoren. „Das bedeutet aber nicht, dass wir um jeden Preis auffallen wollen. Wir machen keine Lilakuh auf das Auto, nur damit die Leute gucken. Oft fallen nur Kennern die einzelnen Besonderheiten des Fahrzeugs auf“, erläutert Grethmann die automobile Leidenschaft der Clubmitglieder. Der 31-Jährige fährt ebenfalls einen VW Golf – die „Opa-Variante“, wie er sagt. „Das ist der Golf mit Kofferraum hinten dran. Auch genannt Jetta, Venta oder Bora.“ Premiere hatte der Golf 1974. Ein Schicksalsjahr für den VW-Konzern. Absatzrückgänge und mehr als 800 Millionen D-Mark Verlust machten dem Unternehmen zu schaffen. Ein Erfolg musste her. Alle Hoffnungen lagen auf dem Neuling – dem Golf I. Ihn gab es damals ab 7995 D-Mark (50 PS), Dreipunktgurte für vorne waren Serie. 1978 importierte die DDR 10 000 VW Golf. Wer einen bekommen konnte, musste anfangs über 30 000 DDR-Mark bezahlen. Später waren es 26000 Mark.

Heute kostet der Golf VII mindestens 17 175 Euro.

VW preist ihn gerne an als Galionsfigur seiner Schaffenskraft. Und die Serienausstattung im Golf ist tatsächlich eine Messlatte der Branche. Schon der Golf VI hatte neun Airbags serienmäßig – so viele wie die Mercedes-E-Klasse. „Der Golf ist ein Symbolprodukt für die deutsche Automobilindustrie insgesamt“, sagt Automobilwirtschaftsprofessor Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Beim Golf reiche die Interessentengruppe ungewöhnlicherweise quer durch alle Milieus. „Das halte ich für eine Riesenkunst“, sagt er.

Die Baureihe sei vor allem wegen ihrer Klassenlosigkeit ein Phänomen. „Von der Hausfrau bis zum Vorstand, alle fahren ihn, das ist ein ganz breites Spektrum“, sagt Bratzel, dessen Institut auch regelmäßig Studien erstellt, die die Positionierung von Marken in Käuferschichten beleuchten.

Der Golf hat einer ganzen Klasse seinen Stempel aufgedrückt. Was das Kraftfahrtbundesamt Kompaktklasse nennt – quasi das Segment der Mini-Limousinen – heißt in der Branche ganz einfach Golfklasse.

244 249 Neuzulassungen hierzulande allein im Jahr 2013 sind 32,4 Prozent Anteil in dem Segment mit seinen rund 30 Konkurrenten. Kein anderes Auto ist nach Stückzahlen so erfolgreich. „Der Golf ist ganz klar das Flaggschiff von VW“, fasst Enrico Grethmann treffend zusammen. Mehr als 30 Millionen Exemplare rollten bislang vom Band.

Auch Politikprofis outen sich als Golf-Fans. Der Bestseller „Generation Golf“ von Autor Florian Illies verhalf sogar einer ganzen Kohorte zum Namen. David McAllister, CDU-Spitzenkandidat für die Europawahl und früher als Ministerpräsident VW-Aufsichtsrat, zählt als Jahrgang 1971 zu der Generation, die als Jugendliche im Westdeutschland der 1970er Jahre aufwuchs. „Ich bin Generation Golf, ich fahre Golf, ich will Golf.“

Und wohin fährt der Golf demnächst? Er mache einen sinkenden Teil des Gesamtabsatzes aus, sagt Bratzel. VW besetze schließlich immer mehr Nischen mit mehr Modellen. Doch Leuchtturm dürfte der Golf lange bleiben. VW-Chef Martin Winterkorn sagte zu dpa: „Ich persönlich kann mir Volkswagen ohne Golf nicht vorstellen.“

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