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Skipper werfen Fischer unterlassene Hilfeleistung vor : Verirrte Hausboot-Crew erreicht sicheren Hafen

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Augenzwinkernd begrüßt der Hafenmeister der Bootsmarina Stralsund am Samstag die einlaufende Hausboot-Crew. "Hallo Bornholm-Fahrer, habt ihr es endlich geschafft", ruft Jürgen Oschmann lachend den beiden Skippern zu.

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erstellt am 19.Mär.2012 | 11:06 Uhr

Augenzwinkernd begrüßt der Hafenmeister der Bootsmarina Stralsund am Samstagmorgen die einlaufende Hausboot-Crew. "Hallo Bornholm-Fahrer, habt ihr es endlich geschafft", ruft Jürgen Oschmann lachend den beiden Skippern zu und lässt sich eine Bootsleine zum Festmachen auf den Bootssteg zuwerfen. Erschöpft springen die zwei Männer an Land. Nach einer Woche an Bord, einer nächtlichen Irrfahrt auf der Ostsee und mit zwei Tagen Verspätung findet ihre gefährliche Seereise einen glücklichen Abschluss. "Den Törn werde ich wohl nie vergessen", sagt Bootsführer Michael Lüth.

Die letzte Etappe war für die beiden Senioren an Bord des Hausbootes "Jasmund" noch einmal eine Herausforderung. Im dichten Nebel steuerten sie das 15 Tonnen schwere und neun Meter lange Urlaubsboot von Stahlbrode durch den Strelasund zur Marina am Stralsunder Stadthafen. Diesmal habe es keine Probleme gegeben, das Navigationsgerät habe einwandfrei funktioniert, sagt Jochen Wachsmuth. Zwei Tage vorher sei das anders gewesen.

Bei einer Sicht von weniger als 200 Metern hatten die beiden Freizeitkapitäne bei der Überführung des Hausbootes von Ziethen nach Stralsund die richtige Fahrwassertonne im Greifswalder Bodden verfehlt. "Wir fuhren erst einmal mit voller Kraft voraus einfach einem großen Pott hinterher", sagt Wachsmuth. Viel zu spät habe man bemerkt, dass man backbords längst die Greifswalder Oie passiert hatte und auf die offene See hinaus steuerte.

Als der Diesel zur Neige ging und kein Land in Sicht war, kreuzte ein Fischkutter den Kurs der "Jasmund". "Ich habe mit einer roten Fahne gewedelt und um Hilfe gerufen", sagt der 70-Jährige. Doch der Fischer, der offensichtlich mit einem Schleppnetz auf Heringsfang war, habe überhaupt nicht reagiert und sei einfach weitergefahren. Den Namen des Kutters, der die Hilfe verweigerte, habe er in der Aufregung nicht wahrgenommen, obwohl der nur höchstens 100 Meter an der in Seenot geratenen Besatzung vorbei gefahren sei.

Als am Horizont ein großes Fährschiff der Linie Swinemünde-Ystad auftauchte, war der Crew klar, dass sie sich verirrt hatte. Ohne Dieselkraftstoff und Funkgerät drohte das nicht hochseetaugliche Hausboot abzudriften oder womöglich in der Dunkelheit mit einem anderen Schiff zu kollidieren. Zum Glück fand das Handy da draußen auf See noch einen schwachen Pegel. "Als der Hilferuf kam, habe ich sofort die Windverhältnisse gecheckt", sagt Hafenmeister Oschmann.

Die See sei spiegelglatt gewesen, genau die Wetterlage vor einem Sturm.

Schließlich gelang es den orientierungslosen Havaristen den auf der Oie stationierten Seenotkreuzer telefonisch zu erreichen. Eine abgefeuerte rote Leuchtrakete wies den Rettern den Kurs. Sie schleppten das Hausboot zur Insel, von wo aus die Freizeitkapitäne am nächsten Tag den Fischereihafen Freest zum Auftanken ansteuerten.


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