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Bunker der NVA bei Tessin öffnet für Besucher : Unterirdisches Geheimnis

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Erich Vierow ist sich sicher: Er könnte gleich heute seine Arbeit im alten Führungsbunker der DDR-Volksmarine bei Tessin wieder aufnehmen.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2011 | 09:37 Uhr

Tessin | Erich Vierow ist sich sicher: Er könnte gleich heute seine Arbeit im alten Führungsbunker der DDR-Volksmarine bei Tessin wieder aufnehmen. Bis 1993 arbeitete der heute der 60-jährige Vierow in der einst streng geheimen, unterirdischen Anlage südöstlich von Rostock. Gestern betrat er nach all der Zeit wieder seinen alten Arbeitsplatz. Ab Sonntag sollen dort erstmals Besuchertouren stattfinden.

Der gut gesicherte Bunker, Anfang der 1970er-Jahre für 62 Millionen Ostmark gebaut, wäre die Kommandozentrale der DDR-Marine gewesen, wenn aus dem Kalten Krieg jemals ein "heißer Krieg" geworden wäre. Innerhalb weniger Stunden sollten Marine-Befehlshaber von Rostock-Gehlsdorf aus hierher umziehen, um ihre Arbeit im bombensicheren Schutzbunker fortzusetzen, erzählt Pächter Claus Funke. Er hatte die Idee, den Bunker wieder zu öffnen und Besuchern zu zeigen.

Bis zu 300 Mann hätten im Bunker 20 Tage ohne Austausch mit der Außenwelt überleben können - doch es blieb zum Glück nur bei regelmäßigen Übungen. Am 25. November 1993 knipste Erich Vierow nach 20 Jahren als Letzter das Licht aus, wie der gelernte Techniker erzählt, der noch heute im Dienst der Bundeswehr steht. Alle Ängste vor einem Atomkrieg waren damals ausgestanden, Deutschland war wiedervereinigt -deshalb ließ die Bundeswehr einen Haufen Beton vor den Eingang kippen, um den Bunker für immer zu schließen.

18 Jahre lang blieb unter Tage die Zeit stehen - bis Claus Funke kam. Der 64-Jährige verhandelte drei Jahre mit Förster Mario Ruhm und den Baubehörden, um seinen Traum vom offenen Bunker zu verwirklichen. Ruhm hatte nach der Wende den Wald nahe der Ortschaft Tessin und als "notwendiges Übel" auch den Bunker darunter gekauft. Innerhalb von drei Monaten will Claus Funke nun den Bunkerbesitzer wider Willen überzeugen, dass aus der unterirdischen Anlage ein Museum werden soll. Unter Tage hat Claus Funke alles dafür hergerichtet. Dreimal täglich will er von nun an Besuchergruppen in die geheime Welt führen, in der von der Küche über Büros bis zu einem alten Rohrpostsystem heute noch alles so erhalten ist wie zu DDR-Zeiten.

Wie Funke auf diese Idee kam? "Jeder hat ein beklopptes Hobby, meins sind eben Bunker", sagt Funke, wieder über Tage. Nach eigenen Angaben investierte er 30 000 Euro in Pacht und andere Betriebskosten, um der Öffentlichkeit ein Stück Kalten Krieg zum Anschauen zu bieten.


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