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Tödliche Wende auf der A1

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erstellt am 18.Feb.2013 | 07:05 Uhr

Delmenhorst | Es ist der erste Abend 2013. Auf der Autobahn 1 in der Nähe von Bremen herrscht wenig Verkehr. Den ganzen Tag hat es immer mal wieder geregnet, die Fahrbahnen sind feucht. Gegen 21 Uhr wendet ein Sattelzug zwischen dem Autobahndreieck Stuhr und der Abfahrt Brinkum und blockiert alle drei Fahrbahnen: Für jeden Autofahrer eine Horror-Vorstellung. Ein Auto rast unter den querstehenden Auflieger.

In dem völlig zerstörten, in zwei Teile gerissenen Wagen sterben ein 26 Jahre alter Mann und eine 20 Jahre alte Frau aus Hannover. Weitere Fahrzeuge verunglücken bei Ausweichmanövern, prallen nach Angaben der Polizei in das Autowrack oder in die Leitplanken. Dabei werden zwei weitere Menschen leicht verletzt. Insgesamt sind elf Fahrzeuge an der Karambolage beteiligt.

Der 47 Jahre alte Fahrer des Sattelzugs aus Lettland fährt am Autodreieck falsch auf die Autobahn. Nach Erkenntnissen der Polizei ist der Mann betrunken. Als er seinen Fehler bemerkt, wendet er. Nach dem Unfall flüchtet er mit dem leicht beschädigten 40-Tonner in Richtung Hamburg. Nach 25 Kilometern stoppt ihn die Polizei. Er wird festgenommen.

Mit den Geisterfahrten auf Autobahnen beschäftigen sich seit langem Politiker, der ADAC und Wissenschaftler. Die Zahl der gemeldeten Falschfahrer sei mit rund 1900 seit Jahren konstant, sagt ADAC-Sprecher Klaus Reindl. "Man geht davon aus, dass nur etwa bei drei Prozent aller tödlichen Unfälle, die auf Autobahnen passieren, Falschfahrer die Ursache waren."

Das Bundesverkehrsministerium prüft neue Warnmethoden mit Schildern und Warnmarkierungen. In Bayern läuft seit 2010 ein Pilotversuch. Hessen will bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz einen Vorschlag für Metall-Krallen auf Autobahnauffahrten vorlegen.

Der Karlsruher Verkehrsexperte Rolf Roos warnte bereits im November vor einem Aktionismus gegen Geisterfahrer. Der Sinn von zusätzlichen Schildern und Pfeilen sei fraglich. "Wer aus Unachtsamkeit die falsche Abzweigung nimmt, oder weil er gerade eine SMS schreibt oder anderweitig im Nebel stochert, der ist nicht aufzuhalten." Nach Ansicht des Auto- und Reiseclubs Deutschland (ARCD) sind Fahrer, die zu Geisterfahrern werden, in der Regel orientierungslos, weil sie gestresst sind oder unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stehen. Sobald Autofahrer merken, dass sie in die falsche Richtung fahren, sollen sie nach der Empfehlung des ARCD das Auto am Rand abstellen. Der ADAC empfiehlt bei Warnungen vor Falschfahrern, sich rechts zu halten und zu bremsen oder einen Parkplatz anzusteuern.

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