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"So etwas darf unter keinen Umständen hingenommen werden"

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erstellt am 20.Jan.2011 | 08:01 Uhr

Hellmut Königshaus nahm im Gespräch mit Rasmus Buchsteiner Stellung zum "Gorch Fock"-Skandal, der Feldpostaffäre un dem Unfall in Afghanistan.

Berichte über Meuterei, Nötigung und sexuelle Belästigung auf der "Gorch Fock" - was ist dran?

Königshaus: Eine Meuterei gab es nicht. Soldaten haben berichtet, dass ihnen von der Führung Meuterei vorgeworfen wurde. Das ist etwas völlig anderes. Nach dem tragischen Tod der Kameradin wollten viele nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Daraus entstand ein Streit mit der Schiffsführung. Eigentlich ist das Klettern in die Takelage nach den geltenden Vorschriften freiwillig. Die Schiffsführung hat diese Freiwilligkeit nach Angaben der befragten Offizieranwärter allerdings bestritten. Da kam sinngemäß der Hinweis: "Wenn Sie das nicht machen, können Sie vergessen, Offizier zu werden!"

Liegt hier nicht ein Fall von Führungsversagen vor?

Es muss überprüft werden, ob die Führung versagt hat. Vorher können wir keine Bewertung abgeben. Wir werden auch eigene Befragungen durchführen.

Was lässt sich zu den Vorwürfen in Sachen sexueller Belästigung sagen?

Es ging nach den Aussagen, die uns vorliegen, nicht um Missbrauch, sondern um sexuelle Nötigung. Ein Soldat berichtet, von drei Mitgliedern der Stammbesatzung in einem Duschraum genötigt worden zu sein. Ich habe mir sagen lassen, dass auf Marineschiffen ein harter Tonfall gepflegt wird. Aber so etwas darf unter keinen Umständen hingenommen werden.

In Afghanistan ist vor Weihnachten ein Bundeswehr-Soldat ums Leben gekommen - erst hieß es, durch einen Unfall beim Reinigen seiner Waffe, nun ist auf einmal von Waffenspielerei die Rede. Wurde die Wahrheit hier vertuscht?

Ich weiß nicht, wie und wann Herr zu Guttenberg unterrichtet wurde. Jetzt wissen wir: Der Schuss kam nicht aus der Waffe des Opfers, sondern aus der eines Kameraden. Klar ist: Es handelte sich um einen Unfall, aber nicht beim Waffenreinigen.

Drittes großes Thema ist die Feldpost-Affäre.Wurden Briefe von in Afghanistan eingesetzten Soldaten und ihren Angehörigen systematisch geöffnet?

Dazu kann ich nichts sagen. Alles deutet auf einen größeren Zusammenhang hin. Jetzt muss ermittelt werden, in welchem Ausmaß Briefe geöffnet worden sind und wer die Adressaten waren. Hier geht es um schwerwiegende Vorwürfe. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das eine Aktion von Geheimdiensten war.

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