Freiwilligendienst : Sie tauscht Erste Welt gegen Dritte Welt

Mit viel Respekt und einer guten Portion Aufregung wird Katharina Rose am 13. September in den Flieger Richtung Ghana steigen. Dort wird sie für ein Jahr bleiben.
Mit viel Respekt und einer guten Portion Aufregung wird Katharina Rose am 13. September in den Flieger Richtung Ghana steigen. Dort wird sie für ein Jahr bleiben.

Die Rostockerin Katharina Rose ist eine von 20 Jugendlichen, die im September zu einem Jahr Freiwilligendienst in Ghana aufbrechen.

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28. August 2015, 12:00 Uhr

Nur noch sechzehn Tage trennen Katharina Rose vom größten Abenteuer ihres Lebens – am 13. September tauscht die 20-Jährige ihr Leben in der Ersten Welt gegen eines in der Dritten. Inklusive Wetter, Arbeit, Essen und allen kleinen Dingen des Lebens. Während tausende Flüchtlinge sich auf die Reise nach Deutschland in ein vermeintlich besseres Leben machen, geht es für die Rostockerin und 19 weitere Jugendliche nach Ghana. Ein Land, aus dem viele flüchten.

„Dass ich mal nach Afrika reisen werde, damit hatte ich eigentlich selbst nicht gerechnet“, erzählt Katharina. Das Ziel hat sich eher zufällig ergeben. Wie viele Jugendliche habe sie nach dem Abitur den Wunsch gehabt, nicht gleich ins Studium oder Berufsleben zu starten, sondern Zeit im Ausland zu verbringen. Um sich selbst zu verwirklichen und vor allem auch, „um zumindest einmal eine völlig andere Kultur kennenzulernen“. Beispielsweise als Aupair in Indien oder mit einem Work-and-Travel-Jahr in Australien. Dazu ist es bisher nicht gekommen.

„Wahrscheinlich auch, weil ich in der Beziehung eher ein Schnacker bin“, sagt Katharina und lacht. Oft habe sie in der Familie Sätze herausposaunt wie: „In einem Jahr bin ich im Ausland.“ Nun macht die 20-Jährige ihren Traum wahr, nachdem sie den Freiwilligendienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) entdeckt hat. Auch ihre Eltern waren von diesem Schritt positiv überrascht.

Eine Wohnung muss sie dafür glücklicherweise nicht kündigen. Denn sie wohnt noch bei ihren Eltern. „Das ganze wird für mich trotzdem ein großes Abenteuer“, sagt sie. Erst seit Mitte Juli weiß die Abiturientin, dass es klappt. Seitdem hatte sie viele Vorkehrungen zu treffen.

„Vor allem diverse Impfungen“, erklärt Katharina. Neben der in den Einreisebedingungen vorgeschriebenen Gelbfieber-Impfung und der Standardvorsorge gegen Masern, Keuchhusten und Tetanus muss sich die 20-Jährige vor Typhus, Cholera und Malaria schützen. „Gegen Malaria gibt es allerdings keine Impfung“, erklärt sie ruhig. Sie hat vor, während ihres Aufenthalts Medikamente gegen den Erreger zu nehmen. Allerdings, so sagt sie, seien auch die nicht zu 100 Prozent sicher. Angst hat die 20-Jährige trotzdem nicht.

In Agona Swedru – etwa eine Autostunde von Ghanas Hauptstadt Accra entfernt – wird die Rostockerin in einem Waisenheim mit angeschlossenem Schul- und Krippenkomplex tätig sein. Auch in einem Krankenhaus hätte sie arbeiten können. Doch dieser Schritt war ihr wegen fehlender Erfahrung im Gesundheits- und Sanitätswesen zu gewagt. Auf die Arbeit mit Kindern dagegen freut sie sich sehr. „Ich denke, es ist wichtig, nicht nur das etwaige Elend oder die Armut der Kinder vor Augen zu haben, sondern ihnen mit etwas Witz und viel Freude neue Erfahrungen zu ermöglichen.“ Die Abiturientin kann sich gut an ihre Schulzeit erinnern, in der sie einen amerikanischen Austauschschüler in der Klasse hatte. „Der war für mich damals das absolute Highlight und ich habe viel über seine Kultur gelernt.“ Ähnlich soll es auch den Ghanaer Kindern ergehen.

Bei ihrer Reise geht es Katharina vor allem um kulturellen Austausch. „Ich will gar nicht mit so einer ,Jetzt komme ich und verbessere die Welt’-Einstellung dorthin gehen“, erklärt sie. Denn wahrscheinlich schätzen die Ghanaer ihre Lage gar nicht so schlimm ein, wie es hier in Deutschland vermittelt werde. „Ich will nicht Hilfe anbieten, wo sie nicht gebraucht wird.“ All zu gerne werde die „Armutskarte“ ausgespielt, sagt sie – mit kleinen Kindern mit Fliegen in den Augen oder aufgeblähten Wasserbäuchen. „Doch das trifft nicht für ganz Afrika zu. Soweit ich weiß, zählt Ghana neben Südafrika zu den am besten entwickelten Staaten. Ich möchte mir vor Ort lieber ein eigenes, unvoreingenommenes Bild machen.“ Daher möchte die Rostockerin sich auch möglichst gut in das Leben vor Ort integrieren. „Dabei wird sicher auch etwas Nützliches herauskommen“, ist sie sich sicher.

Ihre große Reise wird die Abiturientin ohne Freunde und Familie antreten, doch auf dem Rückweg viele neue Bekanntschaften und Erfahrungen gesammelt haben. Und vielleicht auch ihre Heimat danach mit völlig neuen Augen sehen.

Denn schon jetzt weiß Katharina Rose, dass sie auf dem afrikanischen Kontinent kein so gemütliches Leben wie in Deutschland führen wird. „Am meisten wird mir wohl meine Dusche fehlen“, sagt sie. Denn in Ghana kann das Wasser manche Tage knapp werden oder stark verschmutzt sein. Auch die Hitze könnte zum Problem werden. „Mal ein zwei Stündchen am Strand zu liegen, ist etwas ganz anderes, als tagtäglich in der Hitze zu leben.“ Die Verpflegung, die sie vor Ort erwartet, „soll wohl sehr deftig sein. Schokolade und Milchprodukte soll es dagegen äußerst selten geben.“ Schade, dabei nascht die Rostockerin doch so gerne.

„Ich bin gespannt, wie ich nach dem Jahr aussehen werde“, sagt sie. Denn viele kämen dicker aus Afrika zurück, als sie gekommen sind. Auch ohne Süßes? „Es gibt da dieses Gerücht, dass in der Apotheke Nutella verkauft wird. Das wäre meine Rettung“, sagt die 20-Jährige und lacht.

Hintergrund: Freiwilligendienst des DRK
Etwa 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland machen jährlich über das DRK MV einen Auslandsfreiwilligendienst. Wer zwischen 17 und 28 Jahren alt ist, kann zurzeit in sieben Einsatzländern tätig werden. Die nächste Ausreise ist im Januar und September 2016 möglich.
Weitere Informationen unter www.drk-freiwillig-mv.de

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