Aus dem Gerichtssaal : Sextäter bestreitet Vorwürfe

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59-jähriger Schweriner soll zwei Jungen missbraucht haben. Widerspruch zu Aussagen bei der Polizei.

svz.de von
20. November 2015, 06:00 Uhr

Am Schweriner Landgericht ist der Prozess gegen einen 59-jährigen Schweriner wegen sexuellen Missbrauchs zweier Jungen vorerst geplatzt. Der Angeklagte bestritt gestern, die Kinder in dem Umfang missbraucht zu haben, wie es ihm in der Anklage der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird. Die Richter hatten mit einem umfangreichen Geständnis und wenigen Verhandlungstagen gerechnet. Dadurch wäre es den damals zwölf bis 14 Jahre alten Opfern der Übergriffe erspart geblieben, vor Gericht als Zeugen aussagen zu müssen. Nun müssen nicht nur die Opfer vor Gericht erscheinen, sondern zusätzliche Zeugen gehört werden. Da die Strafkammer des Vorsitzenden Richters Armin Lessel in den nächsten Wochen zu viel mit anderen Verfahren zu tun hat, wird der Prozess gegen den mutmaßlichen Sextäter im Frühjahr 2016 neu begonnen.

Die Anklage wirft dem 59-Jährigen vor, zwischen Juni 2012 und Dezember 2013 in seiner Wohnung im Schweriner Stadtteil Dreesch einen zwölfjährigen Jungen fünfmal missbraucht zu haben. Als „Belohnung“ bekam der Junge dafür vier Zigaretten. In mindestens zwei Fällen fügte der Angeklagte seinem Opfer Schmerzen zu, was der Junge ihn auch wissen ließ. Außerdem soll er laut Anklage in einem Fall sich an einem 14-jährigen Jungen vergangen haben.

Der große, stämmige Angeklagte mit den dicken Gläsern in der eckigen Brille gab mit fester Stimme zu, dass die Jungen in seiner Wohnung waren. Der jüngere der beiden sei häufig zu ihm gekommen, wenn er die Schule schwänzte oder wenn er einzelne Zigaretten von ihm kaufen wollte. Dafür nahm er 25 Cent pro Stück. Einmal habe der Junge ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert, behauptete der 59-Jährige, der seit Langem allein und von Hartz-IV lebt. Das habe er aber schnell wieder abgebrochen. Das zweite Opfer will er lediglich geküsst haben.

Richter Lessel hielt dem Angeklagten die Protokolle seiner Vernehmungen bei der Polizei vor. Den Ermittlern gegenüber hatte er weitaus mehr Übergriffe eingestanden. Er habe nach Hause gewollt und da-rum nicht genau nachgelesen, was die Beamten aufgeschrieben hatten, rechtfertigte sich der Angeklagte. Ihm seien bei der Vernehmung wohl „die Worte im Munde umgedreht“ worden.

Nach einem Gespräch mit seinem Verteidiger gab der Mann dann doch einen weiteren Missbrauch zu, behauptete aber, der Junge sei 14 Jahre alt gewesen. Die Altersgrenze spielt bei einer möglichen Strafe eine wichtige Rolle. Auch als Lessel ihm eindringlich klarmachen wollte, dass er ohne Geständnis in einem neuen Prozess wahrscheinlich mit mehr als vier Jahren Haft rechnen müsse, wollte der Angeklagte nicht einlenken. Richter Lessel setzte den Prozess aus.

Damit werden zu Beginn kommenden Jahres mindestens zwei Missbrauchs-Prozesse am Schweriner Landgericht beginnen. Im Januar wird wegen vielfachen schweren sexuellen Missbrauchs der Leiter einer Jugendeinrichtung vor Gericht stehen. Er war im vergangenen August verhaftet worden. Auch das eine mutmaßliche Opfer des 59-Jährigen soll die Einrichtung häufiger besucht haben.

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