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Containerer : Rostocker suchen ihr Essen im Müll

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Studenten verwerten, was Supermärkte wegschmeißen – sie wollen sparen und sich gegen die Wegwerfgesellschaft einsetzen

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Am späten Abend, nachdem die letzten Mitarbeiter des Supermarktes das Gelände verlassen haben, finden sich dort die Containerer zusammen. Sie sind unauffällig, meist in kleineren Gruppen unterwegs und durchstreifen Rostocks Straßen.

Sarah G., Tom P. und Alex M. sind drei von ihnen und studieren an der Universität, mehr möchten die drei von sich nicht preisgeben.  Für sie geht es nicht darum wer sie sind, sondern warum sie das machen. Auf ihren Streifzügen durch die Hansestadt sind sie meist dunkel gekleidet und  machen sich gemeinsam auf die Suche nach verwendbaren Lebensmitteln aus den Mülltonnen der Rostocker Supermärkte.

Die Tonnen werden geöffnet und zum Vorschein kommen zugeknotete, blaue  Säcke. Sarah G. erklärt, dass es einige Grundsätze beim Containern gibt, wie beispielsweise kein gewaltsames Öffnen verschlossener Tonnen. „Wir achten darauf, dass wir den Platz  so verlassen wie wir ihn vorgefunden  haben, das heißt sauber und ordentlich“, ergänzt Tom P.

Die ersten Säcke enthalten nur Papier und Folien. Bei jedem Sack fragen sich die drei, ob sie heute überhaupt etwas finden, doch dann kommt ein voller Sack mit Joghurts, Margarine und Schlagsahne zum Vorschein. Obwohl es sich um Müll handelt, liegt kein Gestank über den Lebensmitteln und Sarah G. erzählt: „Je nach Wetter, Jahreszeit und Inhalt der Tonnen kann es auch mal unangenehm riechen. Da es Herbst ist, haben wir Glück.“ Die drei Studenten müssen sich auch nicht überwinden, etwas aus der Tonne zu nehmen. Alle Lebensmittel sind zum Teil mehrfach verpackt und werden zu Hause gründlich gesäubert. „Es gibt also nichts ekliges hier,“ sagt Tom P. und greift lächelnd in die Tonne. Beim Anblick der heutigen Funde kommt etwas Freude bei den Mülltauchern auf. „Es ist erschreckend, was alles weggeworfen wird. Gleichzeitig freut man sich, dass man etwas Leckeres gefunden hat, wie Donuts“, beschreibt Alex M. sein Gefühl beim Aufknoten der Säcke. Kaputte Dinge, wie ein Joghurtbecher werden aussortiert. Die anderen Lebensmittel werden untereinander aufgeteilt. Trotz der reichen Funde nimmt sich jeder nur das, was er braucht.

Die Gründe für das Containern sind so unterschiedlich, wie die Menschen, die es betreiben. Einige machen es aus finanzieller Not heraus. Sarah G., Tom P. und Alex M. machen es, weil sie gegen die Verschwendung der Lebensmittel etwas tun wollen. „Ich finde es erschreckend, wie viele Lebensmittel, die eigentlich noch in Ordnung und verwendbar sind, weggeschmissen werden, nur weil sie abgelaufen sind oder die Verpackung eine Delle hat“, sagt Sarah G. Ähnlich sehen es auch Tom P. und Alex M. Sie  studieren, bekommen BaföG , arbeiten neben dem Studium und sind auf das Containern nicht angewiesen. Doch machen sie es - als Protest. Trotzdem sind sich Sarah G., Tom P. und Alex M. bewusst, dass containern nicht die Lösung des Problems ist, sondern nur ein Zwischenschritt sein kann. „Wir sehen es als Anstoß, damit sich die Verbraucher und die Supermärkte über die Lebensmittelverschwendung klar werden“, fügt Tom P. hinzu. Dass ihre abendliche Beschäftigung nicht legal ist, darüber sind sich die Mülltaucher im klaren. Bisher hatten sie Glück und wurden nicht erwischt.

 

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