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Massenkarambolage A19 : Polizei-Video bestätigt Sandsturm-Gutachter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beklemmend realistisch rief ein Video der Polizei die Schrecken der Massenkarambolage auf der A19 ins Gedächtnis.

von
erstellt am 27.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Als er im Hubschrauber über der Unfallstelle kreiste, fragte ein Polizist fast ungläubig: „Wie sind die da alle raus gekommen?“ Unter ihm standen auf der Autobahn A 19 bei Rostock rund 80 Autos. Sie waren ineinander verkeilt, hatten sich gedreht, waren aufeinander geschoben. Vor allem aber brannten viele der Fahrzeuge. Immer wieder loderten neue Brandnester auf. Als die Beamten im Hubschrauber auf die Wärmebildkamera umschalteten, waren viele kleine Explosionen auf der Ladefläche eines Lkw zu erkennen. Dennoch zog bald ein Treck von gestrandeten Autofahrern, zum Teil in Decken gehüllt, auf dem Standstreifen in Richtung des nächstens Parkplatzes, wo die Retter kurze Zeit später eine kleine Zeltstadt aufbauten. Sie wollten weg von dem Sand, der immer noch vom steifen Wind waagerecht in dicken Schwaden über die Autobahn getrieben wurde. Acht Autofahrer allerdings starben in den Flammen.

Beklemmend realistisch brachte das Polizei-Video gestern die Schrecken der Massenkarambolage im Sandsturm am 8. April 2011 zurück in den Verhandlungssaal des Rostocker Amtsgerichts. Dort muss sich seit Januar eine 54 Jahre alte Pflegedienstleiterin aus Eisenhüttenstadt wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Sie soll mit unangepasster Geschwindigkeit in die Sandwolke gefahren sein, so die Anklage der Staatsanwaltschaft. Dort stieß sie gegen ein Auto, das in der Folge über die Autobahn schleuderte, und offenbar von weiteren Fahrzeugen gerammt wurde. Die beiden Insassen, ein Ehepaar aus Graal-Müritz, starben noch an der Unfallstelle.

Am vorigen Verhandlungstag hatte das Video zum Streit zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger geführt, weil es den Sachverständigen, die den Unfall rekonstruiert haben, angeblich nicht vollständig vorlag. Gestern nun sahen die Gutachter anhand des Videos aus dem Polizei-Hubschrauber ihre These belegt, dass die Sandwolke über der Autobahn mehrere hundert Meter vor der späteren Unfallstelle zu sehen war. Die Angeklagte hatte beteuert, die Sandwolke habe urplötzlich an ihrer Windschutzscheibe geklebt.

Den wichtigsten Teil ihrer Unfall-Rekonstruktion aber konnten die Gutachter dem Gericht immer noch nicht präsentieren. Für fast alle der beteiligten Fahrzeuge wollen die Experten Mitte Juni nachweisen, mit welcher Geschwindigkeit sie wahrscheinlich andere Wagen rammten oder selbst gerammt wurden. Das sei keineswegs „Glaskugelleserei“, wie Gutachter Dirk Hartwig betonte. Durch akribische Vermessungen der Schäden an den Unfallautos lasse sich durchaus sagen, welcher Wagen auf welchen anderen aufgefahren sei – selbst wenn die Fahrzeuge weit entfernt voneinander zum Stillstand kamen.

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