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Soziale Netzwerke : Polizei twittert nach Tätern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beamte im Land nutzen soziale Netzwerke zur Fahndung und zum Austausch von Neuigkeiten

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 11:49 Uhr

„Nach Verfolgungsjagd wird gegen einen 31-jährigen Opelfahrer wegen einer Reihe von Straftaten ermittelt“, twitterte die Rostocker Polizei gestern. „Wir wollen auf diesem Weg vor allem den Rostockern neueste Informationen schnell und direkt überbringen“, erklärte Polizeisprecherin Yvonne Hanske. Mithilfe des sozialen Netzwerkes werden kurze Nachrichten im Internet verbreitet, die von Followern (Verfolger) weitergeleitet oder direkt beantwortet werden können.

Begonnen hat die Rostocker Polizei ihre Twitter-Aktivitäten mit einem Probelauf während der Veranstaltung „20 Jahre Lichtenhagen“. Drei Tage lang hätten die Polizisten selbst getwittert und aktuelle Verkehrsmeldungen über diese Plattform verbreitet. „Schon dabei haben wir gemerkt, dass viele Teilnehmer der Demonstration uns antworteten oder Beobachtungen, die wir selbst noch nicht veröffentlicht hatten, mitgeteilt haben“, so Hanske. Danach bemerkten die Beamten, welche Möglichkeiten sich daraus ergaben und erarbeiteten ein „echtes“ Twitter-Profil. Seit Mai vorigen Jahres ist diese Seite online und jeder kann darauf zugreifen. „Wir nutzen diese Form der Kommunikation konzentriert für polizeiliche Großeinsätze, wie Demonstrationen, Veranstaltungen oder eben auch bei Spielen des Hansa Rostock“, erklärte die Polizeisprecherin.

Bei diesen Ereignissen sei schnelles Handeln wichtig, dabei helfen Zeitungen und Radio nicht. „Die Berichterstattung würde viel zu lange dauern.“ Per Twitter eine Nachricht zu verbreiten und so das Verhalten der Teilnehmer zu kontrollieren sei deshalb die beste Lösung, so Hanske. „Immerhin haben wir bereits 1070 Follower. Zwar lesen dann auch nur diese die Nachrichten, aber das Weitere funktioniert durch Mundpropaganda.“

Dennoch habe auch die Polizeibeamtin die Schnelllebigkeit des Internets kennengelernt. „Zwischendurch haben wir einige Follower verloren, weil die Zeitabstände zwischen den Veröffentlichungen zu lang waren.“ Deshalb müssten die Polizisten zwischen Einsätzen aktiv sein. So erschienen Glückwünsche zu Weihnachten und zum neuen Jahr, aber auch Such- und Polizeimeldungen finden ihren Platz auf dem Twitter-Profil. „Wir wollen nicht primär Verbrechen aufklären, es ist einfach hilfreich“, sagte Hanske weiter.

Diese Möglichkeit zieht insbesondere die Landespolizei von MV in Betracht. „Der Auftritt der Landespolizei in dem sozialen Netzwerk Facebook ist ein weiteres und wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit geworden“, sagte Synke Kern vom Landeskriminalamt. In den vergangenen zwei Jahren ist die Anzahl der Fans der Seite auf mehr als 25 500 angestiegen. „Besonders bei den ,Dauerausreißern‘ haben wir festgestellt, dass die Jugendlichen aufgrund des Fahndungsaufrufes bei Facebook und der daraus resultierenden – negativen – Aufmerksamkeit bei ihren Freunden schnell nach Hause zurückkehren und auch nicht mehr weglaufen“, berichtete Kern. Generell sei es jedoch schwer, festzustellen, ob ein Verbrechen tatsächlich mithilfe von Twitter- oder Facebook-Nutzern aufgeklärt werden konnte.

Die sich eröffnenden Möglichkeiten erkannten auch die Innenminister der Bundesländer bei ihrer jüngsten Konferenz: „Die Minister registrierten, dass die Nutzung sozialer Netzwerke die polizeilichen Möglichkeiten zur Öffentlichkeitsfahndung erweitert und deren Erfolgsaussichten wesentlich erhöht haben“, erklärte Jens Minzlaff, Sprecher der Innenministerkonferenz, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Ergebnisse werden nun den Justizministern der Bundesländer zur Prüfung vorgelegt.




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