Landestreffen der Ostpreußen : Oktoberfest mit Königsberger Klopsen

Die Fahnen der ostpreußischen Heimatkreise ziehen mit Preußens Gloria in die Halle ein. 2000 Gäste waren zum 20. Landestreffen der Ostpreußen in MV gekommen.
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Die Fahnen der ostpreußischen Heimatkreise ziehen mit Preußens Gloria in die Halle ein. 2000 Gäste waren zum 20. Landestreffen der Ostpreußen in MV gekommen.

2000 Besucher bei 20. Landestreffen der Ostpreußen in MV. Kuder: „Seien sie Mahner und Vermittler!“

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28. September 2015, 08:00 Uhr

Draußen suchen täglich tausende Menschen ihr Heil in der Flucht vor Krieg und Zerstörung – drinnen sitzen die Flüchtlinge von einst und feiern ihre 20. Zusammenkunft mit Volksweisen, Königsberger Klopsen und Bärenfang. Fast so wie die vielen Millionen Gäste aus Nah und Fern mit Bier, Hend’l und Stimmungsmusik auf dem Oktoberfest in München. Fast.

Die Sport- und Kongresshalle in der Landeshauptstadt ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als Manfred Schukat, Vorsitzender der ostpreußischen Landesmannschaft MV, die rund 2000 Gäste, die von „Freiburg bis aus dem Memelland“ angereist seien, begrüßt. Vor 70 Jahren seien die Ostpreußen „Teil der größten Flucht der Geschichte“ gewesen und wüssten daher, was Flucht und Vertreibung bedeuten würden, eröffnet Schukat seine Rede. Hilfsbereitschaft sei nach der Meinung des Vorsitzenden der Ostpreußen aus MV zwar notwendig, wichtiger sei aber die „Ursachenbekämpfung vor Ort“. Beifall.

Der Saal steht. Preußens Gloria erklingt aus den Instrumenten des Landespolizeiorchesters MV und begleitet die 40 Fahnen der Heimatkreise beim Einzug in die Halle. Fast so wie der Bayerische Defiliermarsch auf der Münchner Wies’n. Fast.

Pastor Oswald Wutzke, Kultusminister MVs a.D., erhält für seine Rede ebenso einen Orden wie der litauische Botschafter, Deividas Matulionis, und Uta-Maria Kuder. Die Justizministerin MVs wünscht sich von den Ostpreußen „Mahnung und Vermittlung in der aktuellen Situation“. Beifall.

Kleine Fläschchen stehen auf den Tischen. Bärenfang, eine ostpreußische Spezialität. Likör aus Honig, Gewürzen und Alkohol. Kaum ein Tisch ohne Fläschchen. Fast so wie die Maßkrüge auf dem Oktoberfest im Süden der Republik. Fast.

Der Sprecher der ostpreußischen Landesmannschaft, Stephan Grigat, pflichtet Schukats Forderung nach „Bekämpfung der Ursachen in den jeweiligen Ländern“ bei. Grigat weiter: „Die Ermöglichung der Rückkehr in die Heimat muss unser größtes Ziel sein.“ Jedoch hege auch er, so der Vorsitzende der Landesmannschaft Ostpreußen, so seine Zweifel, wenn Flüchtlinge „mit den neuesten Smartphones und Victory-Zeichen nach Deutschland“ kämen. Beifall.

Der Saal erhebt sich erneut. Diesmal schallt die deutsche Nationalhymne durch das Rund und wird von den vielen Gästen und Mitwirkenden gesungen. Fast so wie die Schlager und Evergreens auf den Bierbänken in München. Fast.

Heimatsänger „BernStein“, Bernd Krutzinna, übernimmt das Mikrofon und führt anschließend durch das Programm. Auf dem viele Namen von Chören und Gruppen aus der Heimat stehen. Rund 130 Gäste aus der Heimat, so Schukat, seien nach Schwerin zum 20. Landestreffen angereist. 60 Personen aus dem Memelland, 50 aus Masuren und 20 aus Königsberg.

Essensausgabe. Auf der Speisekarte stehen Königsberger Klopse, die an verschiedenen Standorten in der Sport- und Kongresshalle gereicht werden. Lange Schlangen bilden sich an den Ausgabestellen. Fast so wie die Warteschlangen für Grillhend’l in den Festzelten der bajuwarischen Landeshauptstadt. Fast.

Nach dem Auftritt des „Heide“-Chors aus dem heutigen Silute, Litauen, erklingt „Ein Stern“ von DJ Ötzi aus den Boxen der Schweriner Sport- und Kongresshalle. Sechs junge Mädchen, die Jugendgruppe des „Heide“-Chors, tanzen dazu eine eingeübte Choreografie und erhalten den Beifall der Gäste.

Vor der Halle signiert Autor Heinz Buchholz sein Buch „Iwan, das Panjepferd“. Bernstein gibt es in sämtlichen Variationen: Ketten, Ohrringe oder Armbänder. Fast so wie die Achterbahnen und Souvenirstände mit Lederhosen und Co auf den Straßen der Theresienwiese. Fast.

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