Aus dem Gerichtssaal : „Nicht so genau hingeschaut“

<p> </p>

 

Schweriner Unternehmer unterstützte Drogen-Bande

von
21. September 2015, 21:00 Uhr

Blauäugig will ein Schweriner Unternehmer einer Drogen-Bande geholfen haben, indem er ihnen den Keller seiner Gewerbehalle im Stadtteil Görries vermietete. Weil man ihm 35 000 Euro dafür versprach, habe er „nicht so genau hingeschaut“, erzählte er gestern vor dem Landgericht Schwerin. Von der riesigen Cannabis-Plantage, die dort im vergangenen Winter aufgebaut wurde, wusste er angeblich nichts.

Der Vorsitzende Richter Armin Lessel kaufte dem 39-Jährigen seine Geschichte nicht ab. Er drohte damit, den Angeklagten wieder in Untersuchungshaft zu nehmen. Schließlich hatte dieser schon einmal gestanden, tiefer verstrickt zu sein, als er gestern zugeben wollte. Mit zittriger Stimme beteuerte der Angeklagte, er habe damals ein falsches Geständnis abgelegt.

Die Polizei hatte im Februar 2200 Marihuana-Pflanzen in dem Keller entdeckt. Die Ernte hätte auf dem Schwarzmarkt 500 000 Euro eingebracht. Zur Pflege der Pflanzen, so die Anklage, sperrten die vier Hauptangeklagten fünf illegal nach Deutschland geschleuste Vietnamesen in den abgeschotteten Keller. Dennoch sitzen sie ebenfalls auf den Anklagebänken.

Mit fester Stimme hatte der 39-jährige in der Veranstaltungs- und Werbebranche tätige Unternehmer seine Aussage begonnen. Im September vergangenen Jahres wollte ein nun mitangeklagter armenischer Bekannter 200 Quadratmeter in der Halle mieten, um Baumaterial zu lagern. Bei der Besichtigung waren auf einmal Vietnamesen anwesend, die kein Interesse hatten zu offenbaren, wofür sie die Räume wirklich brauchten. Der Armenier versprach dem Hallen-Vermieter 35 000 Euro, wenn er keine Fragen stellt. Zwar half jener später, die Technik für die Plantage in die Halle zu bringen, weil die Vietnamesen mit dem dazu benötigten Radlader nicht umgehen konnten. Die Technik sei jedoch in undurchsichtige schwarze Folie gehüllt gewesen, so der Angeklagte. Auch half er, einen Wasserschaden im Keller zu beheben, ohne die Hanf-Plantage zu bemerken.

„Heute weiß ich, dass ich Hilfestellung gegeben habe“, bedauerte der Angeklagte. Er entschuldigte sich, dass er den Mietvertrag für die Kellerräume geschreddert hat, der mit einem falschen Namen unterzeichnet war. Er räumt auch ein, verfängliche Daten von seinem Computer gelöscht zu haben.

Nachfragen des Gerichts zu Ungereimtheiten in beschlagnahmten Unterlagen brachten den Angeklagten jedoch immer mehr aus der Fassung. Seine Anwälte rieten ihm schließlich, vorerst zu schweigen – was sein gutes Recht von Anfang an gewesen wäre.

Die Polizei hatte indes drei Wochen vor der entscheidenden Razzia einen Hinweis auf die Hanf-Plantage. Ein Ermittler bat sogar beim Hallen-Vermieter um Auskünfte, was dieser nicht den Mietern sagen sollte. Daran hielt er sich nicht. Stattdessen traf er sich mit mutmaßlichen Mittätern und deren Hintermännern in Berlin und plante angeblich den Rückzug aus der Halle. Der Prozess wird in einer Woche fortgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen