Rechtsextremismus MV : Neonazi-Frauen oft unerkannt

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Der Verein für Demokratie „Lola“ warnt vor rechtsgesinnte Frauen in MV. Sie werden eher als „unpolitisch“ wahrgenommen, könnten aber leichter in Kitas, Schulen und Vereinen aktiv werden.

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16. Juli 2015, 08:00 Uhr

Die rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern wird nach Ansicht des Vereins „Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern“ stärker von Frauen unterstützt, als es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Da Frauen eher als „unpolitisch“ und „friedfertig“ betrachtet werden, könnten rechtsextreme Frauen leichter in Kitas, Schulen oder Sportvereinen aktiv werden, ohne dass ihre eigentliche Gesinnung auffällt, so „Lola“-Mitarbeiterin Heike Radvan am Dienstag in Schwerin, wo die „Lola“-Broschüre über „Frauen und Rechtsextremismus in MV“ vorgestellt wurde.

 „Rechte Frauen werden leicht übersehen.“ Rechtsextreme Frauen würden dies „strategisch“ nutzen, um etwa in Internet-Foren die Diskussion zu bestimmen. Wenn es um Kindererziehung, Familienpolitik oder sexuellen Missbrauch geht, knüpften diese Frauen an Meinungen an, die in der übrigen Bevölkerung vorkommen, um unterschwellig oder direkt für ihre Ideologie zu werben.Viele der Frauen, die im Internet offen rechtsextreme Positionen vertreten, seien im „realen“ Leben bisher nicht als Neonazifrauen bekannt. Heike Radvan: „Dies lässt vermuten, dass es eine Reihe rechtsextremer Frauen gibt, die explizit online ihr Betätigungsfeld suchen und hier die Neonazi-Szene unterstützen.“

Dem Geschlechterbild der Rechtsextremen entsprechend sind rechtsextreme Frauen, so die Broschüre, oft in sozialen Berufen tätig – als Erzieherinnen, Hebammen, Arzthelferinnen, Sozialarbeiterinnen oder Yoga-Lehrerinnen, „und bleiben hier in vielen Fällen unerkannt“.

Zwar berichten die Autorinnen von verschiedenen Fällen, in denen rechte Frauen zum Beispiel versucht haben, über den Elternrat im Kindergarten Einfluss zu gewinnen, nachdem sie als „kümmernde“ und „helfende“ Muttis das Vertrauen der Erzieherinnen gewonnen hatten. Allerdings bleiben die Autorinnen die Antwort schuldig, wie viele rechtsextreme Frauen in Mecklenburg-Vorpommern aktiv sind oder etwa als Hebamme oder Pflegerin im Altersheim arbeiten. Auch fehlen Hinweise, wie den Meinungsäußerungen von rechtsextremen Frauen im Internet auf die Spur gekommen wurde, und um wie viele aus Mecklenburg-Vorpommern es sich handelt. Zudem macht mancher Beitrag in der Broschüre leider nicht deutlich, in welcher besonderen Weise sein Thema Frauen in Mecklenburg-Vorpommern betrifft; dargestellt werden Phänomene, die in der gesamtdeutschen rechten Szene vorkommen.

Die 76 Seiten starke Broschüre wurde die mit gut 9000 Euro vom Schweriner Sozialministerium finanziert.
 

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