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Nazis suchten gebildeten Hund

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erstellt am 06.Jun.2011 | 07:43 Uhr

London | Der Einsatz von Tieren im Krieg ist an sich nichts Ungewöhnliches. Ob Brieftauben, Spürhunde oder Lastesel - in London, an der noblen Park Lane, steht sogar ein Denkmal, das daran erinnert. Doch dass die Nationalsozialisten noch einen Schritt weiter gingen, sorgt jetzt für Erstaunen im Königreich. Nazi-Wissenschaftler, so meldete kürzlich die seriöse "Times", hätten "versucht, eine geheime Armee von ,gebildeten Hunden zu züchten, die sprechen, lesen und schreiben konnten." Sogar telepathische Experimente zwischen Hund und Mensch habe es gegeben.

Der Bericht bezieht sich auf ein Buch des schwedischen Wissenschaftlers Jan Bondeson, der an der walisischen Universität Cardiff lehrt und soeben seine Studie über "Erstaunliche Hunde" veröffentlichte, in der sich eine Passage der Tiersprechschule Asra im thüringischen Leutenberg widmet. Dort unterrichtete von 1930 bis 1945 Margarethe Schmidt ausschließlich Vierbeiner. Die Tiere, so ein Schulprospekt, sollten nicht nur "addieren, subtrahieren, multilplizieren, dividieren" lernen, sondern dazu auch noch "die Uhrzeiten wissen".

Dachshund konnte "Shakespeare zitieren"

Tatsächlich gibt es unter Hunden außergewöhnliche Begabungen. Zum Beispiel Kurwenal, ein Dachshund aus Weimar, der die Buchstaben des Alphabets mit einer entsprechenden Anzahl von Kläfflauten markierte und so - laut Bondeson - "Shakespeare zitieren und über die entsprechenden Vorzüge von Goethe und Schiller diskutieren" konnte. Allerdings sei die Kommunikation mühsam und Kurwenal am Ende ziemlich heiser gewesen. Der Jagdhund Don dagegen soll die menschliche Stimme nachgeahmt und gesagt haben: "Hunger! Kuchen haben!" Und Rolf, ein Terrier, habe mit seiner Pfote geklopft und schwierigste mathematische Aufgaben lösen können.

"Deutschland hatte damals", schreibt Bondeson, "eine ganze Reihe von ,neuen Tierpsychologen, die glaubten, dass Hunde fast so intelligent wie Menschen seien." Teil der Nazi-Ideologie sei es gewesen, dass es zwischen Mensch und Natur ein starkes Band gäbe und daher ein guter Nazi auch Tierfreund sein müsse. Adolf Hitler selbst, so Bondeson, ein großer Hundefreund, habe "führenden SS-Leuten empfohlen, sich die Tiersprechschule anzuschauen und herauszufinden, ob man die Kommunikationstechniken für den Krieg nutzen könnte."

Erklärung durch den "Kluger-Hans-Effekt"

Beweise dafür, dass es tatsächlich einen Kampfeinsatz der Geheimwaffe Hund gegeben hat, konnte Bondeson indes nicht finden. Was wiederum moderne Tierpsychologen kaum überrascht. Denn all die Kommunikationswunder unter den Hunden lassen sich durch den sogenannten "Kluger-Hans-Effekt" erklären. Der Kluge Hans war ein Pferd, das Anfang des 20. Jahrhunderts Aufsehen erregte, indem es durch Hufklopfen Rechenaufgaben löste. Heute weiß man: Der Traber konnte feinste Nuancen in Gesicht und Körpersprache seines menschlichen Gegenübers deuten und dadurch die richtige Antwort erraten. Hunde, mit ihrer ausgeprägten Rudelmentalität, können ebenso unbewusste Signale des Menschen identifizieren. Die Kommunikation bleibt also eindimensional und ein Einsatz als vierbeinige Geheimwaffe ausgeschlossen.

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