Elternzeit MV : Männer in Ausnahmesituation

Glücklicher Vater: Christian Möhring mit seinen beiden Kindern.

Glücklicher Vater: Christian Möhring mit seinen beiden Kindern. 

In MV nimmt nur jeder zehnte Mann Elternzeit: Werdende Väter oft mit widersprüchlichen Gefühlen.

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02. Januar 2016, 07:15 Uhr

Ein Kind ändert alles. Doch neben Freude und Stolz kann die neue Situation bei jungen Vätern oder Männern auch ganz andere Gefühle auslösen: Unsicherheit, Angst, Orientierungslosigkeit. „Machen wir alles richtig? Wird das Geld reichen? Bin ich dieser Aufgabe tatsächlich gewachsen?“, hat sich der Rostocker Christian Möhring gefragt. „Man zweifelt ein bisschen an sich selbst.“

Seine Frau und er haben sich bewusst für ihre zwei Kinder entschieden. Dennoch wogen die anstehenden Veränderungen nicht leicht. „Unser Leben, das wir bis dahin gewöhnt waren, veränderte sich mit der Schwangerschaft“, erzählt der 38-Jährige. „Ein Beispiel war, dass sich meine Frau manchmal etwas merkwürdig verhalten hat – damit musste ich erstmal lernen umzugehen.“ Heute lacht er darüber, aber am Anfang konnte er es nicht einordnen.

Eine große Hilfe war die Hebamme, bei der das Paar sich anmeldete. „Sie hat uns gut aufgefangen mit unseren Ängsten und Befürchtungen.“ Christian Möhring arbeitete damals in mehreren Studentenjobs gleichzeitig, war viel unterwegs. „In dieser Zeit hat sich aber dieses Gefühl, für eine Familie zu sorgen, schon entwickelt.“ Und mit dem Tag der Geburt, erinnert er sich, legte sich in seinem Kopf der Schalter in Richtung Vaterrolle um. „Nun wurde das alles greifbar, was ich bis dahin nur theoretisch kannte – auch die Verantwortung für dieses kleine Wesen.“ Tipps und Unterstützung kamen wiederum von der Hebamme, aber auch von den Eltern. „Man wiederholt vieles aus der eigenen Kindheit. Bei mir war es gut, aber wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, wird die Fehler vielleicht wiederholen.“

In anderen Fällen beinhaltet die Schwangerschaft eine unbewusste Entscheidung über das Verhältnis zwischen den Partnern, das vielleicht bis dahin noch recht locker war. Nun stellt sich die Frage nach – nicht nur finanziellen – Sicherheiten. Oft fühlen die Männer sich nicht genügend an Entscheidungen beteiligt. Sie sind emotional ähnlich stark dabei wie die Frauen, haben aber einen schwereren Zugang und sind eher mit den Sachfragen beschäftigt. Und sogar dann, wenn Mutter und Vater kein Paar mehr sind oder es nie waren, können Männer Verantwortung übernehmen. Während die werdenden Mütter beim Frauenarzt oder der Hebamme beraten werden, fühlen sich Männer mit ihren Fragen oft alleingelassen. „Der Vater ist nach der Geburt genauso in einer Ausnahmesituation wie die Mutter“, meint der Psychologe Dr. Andreas Eickhorst vom Deutschen Jugend-Institut (DJI) in München. Grundsätzlich können Männer genauso mit Babys umgehen wie Frauen, meint der Experte. „Die Interaktion von Anfang an ist enorm wichtig für die Bindung zwischen Vater und Kind. Die Kleinen können und sollen durchaus mehrere Bezugspersonen haben.“ Väter gehen eher aktiv mit dem Kind um statt die klassischen Pflege-Aufgaben zu übernehmen. Sie fördern die Eigenständigkeit der Kinder und ihre Geschlechts-Identität. „Die heutige Situation von Vätern ist aber nicht einfach. Zum Beispiel ist es für viele schwierig, eine längere Elternzeit zu nehmen.“ Oft verdienen sie mehr als ihre Frauen, also ist es nötig, dass sie weiter arbeiten. Gerade jeder zehnte Vater in MV steigt vorübergehend aus dem Beruf aus – für durchschnittlich knapp drei Monate. Damit gehören sie bundesweit zu denjenigen, die am schnellsten in den Job zurückkehren.

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