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Konsum Dodow : Licht ist aus im Tante-Emma-Laden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Konsum Dodow schloss am letzten Tag des Jahres 2013 seine Pforten. Zu unrentabel, sagt der Vorstand. Zwei Mitarbeiterinnen haben neue Arbeit

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erstellt am 02.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Er war mehr als nur ein kleiner Tante-Emma-Laden, der Konsum im Ort. Er war ein beliebter Treff, wo soziale Kontakte noch persönlich von Angesicht zu Angesicht gepflegt wurden, wo Rezepte die Austauschrunde machten und es wertvolle Lebensberatung gratis in die Einkaufskörbe gab. Nun ist sein Licht seit Silvester 2013 verlöscht, werden die letzten Waren demnächst ausgeräumt und die Tür abgesperrt. Der letzte Tag im letzten Jahr war auch sein letzter Tag. Zu unrentabel sei der Laden, so die Konsum-Führungsetage.

„Wir konnten leider nicht erkennen, wie wir die Filiale in Dodow in die Gewinnzone bringen können“, sagt Ralf Bade, der Vorstandsvorsitzende der Konsumgenossenschaft für Hagenow und Umgebung. „Eine geplante Zusammenarbeit mit der Firma Wesergold im Ort hat leider auch nicht geklappt. Die beiden festangestellten Mitarbeiterinnen würden aber weiter beschäftigt und blieben dem Unternehmen erhalten. „Wir wissen, dass für den Ort mit der Schließung viel an Verkaufskultur verloren geht, aber wir können den wirtschaftlichen Druck nun mal nicht ausblenden“, betont Bade weiter, der seit November 2013 für 238 Mitarbeiter in zehn Lebensmittelmärkten, vier Getränkemärkten, zwei Schuhfilialen und drei Textilläden zuständig ist. „In den letzten zwei Jahren hat die gesamte Konsumgenossenschaft in der Region Verluste realisiert. Große Probleme gibt es besonders im Non-Food-Bereich. Deshalb mussten wir im April 2013 auch die Filiale in Kaarßen bereits schließen. In Redefin haben wir den Mietvertrag um zwei Jahre verlängert und die Filiale mit einer Poststelle angereichert. Der Standort soll erhalten bleiben.“

Für die Dodower dürfte dies kein Trost sein. „Wir hatten schon fast einen familiären Kontakt zu unseren Kunden. Hier wurden Rezepte und Lebensgeschichten ausgetauscht“, erinnert sich Johanna Schwarz. Trauer schwingt in ihrer Stimme mit. Die 61-Jährige war seit 1997 die Leiterin des kleinen Konsums mit seinem Tante-Emma-Laden-Flair. Nun geht die Waschowerin nach Wittenburg, als Verkäuferin. Ihre langjährige Kollegin Sabine Bödeker verstärkt künftig das Konsum-Team in Vellahn. Dort, wo die 47-Jährige auch zu Hause ist. „Ich war seit April 1994 in Dodow beschäftigt. Im Juni letzten Jahres gab es erste Schließungsgerüchte, aber man hofft ja immer bis zuletzt“, sagt die Vellahnerin. Es sei aber auf jeden Fall schön, dass ihnen beiden neue Arbeit angeboten worden sei, die sie ab dem 6. Januar antreten würden, gesteht sie. „Das muss man unseren Chefs hoch anrechnen.“

Die dritte im Bunde, Roswitha Kiencke, hat im Dodower Konsum seit 2010 auf geringfügiger Basis als Urlaubsvertretung fungiert. „Das war eine schöne Arbeit, die mir viel Spaß gemacht hat“, verrät sie. Sie bleibe jetzt auf eigenen Wunsch zu Hause, erzählt die 55-Jährige.

„Wir schauen jetzt nach vorne. Ein neues Jahr ist eben auch ein neuer Anfang“, meint Johanna Schwarz. Dann zeigt sie auf die vielen Geschenke und Präsente, die auf den Tiefkühltruhen und dem gläsernen Verkaufstresen liegen. „Viele unserer langjährigen Kunden haben sich persönlich bei uns verabschiedet und uns allen dreien Glück für die Zukunft gewünscht. Mit einer solch hohen Anteilnahme haben wir wirklich nicht gerechnet. Sie hat uns positiv überrascht. Wir sind immer noch ganz gerührt und haben auch schon so manche Träne vergossen.“

Dass in die Immobilie aus den 70er Jahren in den letzten Jahrzehnten nichts Neues investiert worden sei, sehen die Konsum-Frauen mit als einen der Gründe an, warum der Standort letztlich nicht gehalten werden konnte. „Im Winter war es hier zu kalt und im Sommer immer zu warm. Die vier Truhen liefen in der warmen Jahreszeit meist auf Hochtouren“, erinnert sich Johanna Schwarz. Dass sie und ihre Getreuen ab heute mithelfen werden, die letzten Waren aus den Regalen zu räumen und die Inventur zu unterstützen, sei Ehrensache. „Schließlich war das hier viele Jahre lang so etwas wie unser zweites Zuhause.“

 

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