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Unterrichtende Betrügerin : Leichtes Spiel für falsche Lehrerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schulbehörden in Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein waren Maud M. auf den Leim gegangen.

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Die unendliche Geschichte einer falschen Lehrerin: Nachdem sie im Sommer 2013 an ihrer Schule in Lübstorf als Betrügerin aufgeflogen war, bemühte sich die 48-Jährige bei einer Privatschule in Schwerin um einen Job. Die Bewerbung wurde ihr – auch wenn sie erfolglos blieb – leicht gemacht. Statt Strafanzeige wegen Betruges zu stellen, hatte die Schulverwaltung Maud M. quasi „in allen Ehren“ per Aufhebungsvertrag entlassen. So erfuhr der nächste potenzielle Arbeitgeber nichts von den Ungereimtheiten aus der früheren Anstellung.


Dokumentenfälschung offenbar 1995 schon einmal aufgeflogen


Die schulpolitische Sprecherin der Linkspartei im Landtag, Simone Oldenburg, findet es „fraglich und fahrlässig“, wie das Schweriner Bildungsministerium mit dem Fall umgegangen ist. Schließlich müsse die Schulverwaltung im Sommer 2013 gewusst haben, dass Maud M. bereits 1995 in Wolgast mit einem Aufhebungsvertrag das dortige Gymnasium verlassen hatte. Die angeblich zweifelhaften Unterrichtsmethoden der aus Wismar stammenden M. hatten zu Nachfragen geführt. Dabei sollen bereits damals gefälschte Diplome und Zeugnisse ans Licht gekommen sein. Selbst wenn die Erinnerung daran innerhalb der Schulverwaltung in MV verblasst war, so wurde sie 2013 durch die Staatsanwaltschaft Kiel aufgefrischt. Die Ermittler forderten in Schwerin die Personalakten von Maud M. aus ihrer Wolgaster Zeit an, um das abwechslungsreiche Lehrerleben zu durchleuchten.

Auch die Schulbehörden in Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein waren ihr auf den Leim gegangen. Inzwischen liegen zwei Strafanzeigen wegen Urkundenfälschung und besonders schweren Betruges gegen sie vor. Bei einer Hausdurchsuchung sollen bei Maud M. auch Stempel gefunden worden sein, mit denen sie selbstgefertigten Zeugnis-Kopien scheinbare Autorität verlieh. Das Schweriner Bildungsministerium verweigert unter dem Vorwand der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die Auskunft zum Fall Maud M. Auch zum eigenen Tun und Lassen will das Ministerium sich nicht äußern. Selbst zum Wolgaster Wirken von Maud M. könne nichts gesagt werden, so ein Ministeriums-Sprecher. Die Personalakten seien offenbar nach Brandenburg abgegeben worden, als Maud M. 1995 Lehrerin im Schulamtsbezirk Perleberg wurde.

Im Potsdamer Bildungsministerium wird bezweifelt, dass die Akten aus Mecklenburg-Vorpommern angefordert wurden. Maud M. habe sich ohne berufliches Vorleben beworben, heißt es. Sie legte einen Hochschulabschluss der Uni Köln vor, der sich inzwischen als gefälscht herausstellte. Das von ihr ebenfalls präsentierte Lehrer-Diplom der Pädagogischen Hochschule (PH) Potsdam aus dem Jahr 1990 halten die Potsdamer jedoch immer noch für echt. An der Universität Potsdam, in der die PH Potsdam aufging, konnte gestern auf Nachfrage niemand bestätigen, dass dort damals die Fächerkombination Deutsch und Staatsbürgerkunde studiert werden konnte. Die Staatsanwaltschaft Kiel geht davon aus, dass Maud M. keinen Hochschulabschluss hat – auch kein DDR-Lehrer-Diplom.


Nach Tätigkeit in Brandenburg neues Lehrerglück in Berlin


Maud M. verließ 2000 Brandenburg, als ihr ein Disziplinarverfahren drohte. Dies habe jedoch nichts mit gefälschten Bewerbungsunterlagen zu tun gehabt, versicherte ein Ministeriums-Sprecher. Neues Lehrer-Glück wurde Maud M. in Berlin zuteil. Acht Jahre lang unterrichtete sie anfangs als angestellte Lehrerin, dann als Beamtin. Im Nachhinein fordert die Berliner Schulverwaltung 70 000 Euro zurück. Maud M. habe dank der gefälschten Zeugnisse ein höheres Gehalt bezogen als ihr zustand, so eine Senats-Sprecherin.

Auch in Schleswig-Holstein wurde Maud M. 2008 anfangs ohne Argwohn übernommen. Erst als der neue Schulleiter an einem Möllner Gymnasium an ihrem pädagogischen Können zweifelte und nachforschte, wurde sie überführt. Im Dezember 2012 wurde sie entlassen und verlor ihren Beamtenstatus. Im März 2013 gelang es ihr in Lübstorf erneut, die Schulbehörden zu täuschen. Da hatte der Fall der falschen Lehrerin im benachbarten Schleswig-Holstein längst für Schlagzeilen gesorgt.


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