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Aus dem Gerichtssaal : Kritik an Justiz wegen Prozess gegen Ex-SS-Mann

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Internationale Auschwitz Komitee: Chaotische Verzögerungen verhindere jede Konfrontation der strafrechtlichen Verantwortung des 95-jährigen Beschuldigten.

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2016 | 09:00 Uhr

Das Internationale Auschwitz Komitee hat die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren gegen einen Ex-SS-Sanitäter erneut kritisiert. Das Verfahren in Neubrandenburg sei seit dem 29. Februar immer wieder „chaotisch verzögert“ worden, erklärte der Präsident des Komitees, Roman Kent, in einem offenen Brief an das Landgericht. Das teilte die Interessenvertretung der KZ-Häftlinge am Freitag in Berlin mit. So sei jede Konfrontation mit der Geschichte von Auschwitz und der strafrechtlichen Verantwortung des 95 Jahre alten Beschuldigten unmöglich gewesen.

Der Prozess wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3600 Fällen war aus gesundheitlichen Gründen im März ausgesetzt worden. Gutachter sollten die Gesundheit des 95-Jährigen neu beurteilen. Ein Prozessstart im Mai scheiterte. Nun soll das Verfahren an diesem Montag neu beginnen.

Gerade nachdem angesichts der Auschwitz-Verfahren in Lüneburg und Detmold bei Überlebenden neues Vertrauen in die deutsche Justiz entstanden sei, stünden sie nun in Neubrandenburg erneut vor einem Scherbenhaufen juristischer Aufarbeitung, erklärte der Sekretär des Komitees, Christoph Heubner.

Auch der damals junge Beschuldigte sei - ungeachtet des niederen Dienstgrades - in Auschwitz Teil des Mordsystems gewesen, erläuterte Kent. Jeder SS-Mann sei von seiner Mission und seinem „Herrenmenschentum“ überzeugt gewesen. Deshalb sollte jeder SS-Täter vor Gericht gestellt werden, egal wie viel Zeit vergangen sei. Das Neubrandenburger Landgericht habe dem Elend der Überlebenden bisher wenig Interesse und Aufmerksamkeit entgegengebracht.

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