Ummanz : Knecht Ruprecht kommt per Pferd

IAuf das Jahr  1975 geht die Tradition zurück, auf der Insel Ummanz bei Rügen Weihnachtsgeschenke an Senioren zu verteilen.
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IAuf das Jahr 1975 geht die Tradition zurück, auf der Insel Ummanz bei Rügen Weihnachtsgeschenke an Senioren zu verteilen.

Seit fast 40 Jahren werden auf der kleinen Ostseeinsel Ummanz bei Rügen Geschenke von Pferdesportlern kurz vor Heiligabend verteilt. Das Weihnachtsreiten führt durch alle sieben Dörfer des Eilandes und Nachbarorte. 180 Rentner werden beschert.

svz.de von
23. Dezember 2013, 11:00 Uhr

Feurig geht die Sonne überm Meer auf. Leises Schnauben und Wiehern dringt durch den verregneten eiskalten Morgen auf Ummanz, einem winzigen Eiland in der Ostsee. Die kleine Schwester von Deutschlands größter Insel Rügen gilt als Pferdeparadies.

Ein Graubart im roten Mantel schirrt heute die milchkaffeefarbenen, blond gelockten Schönheiten an. Die Rosse aus dem nördlichsten Haflingergestüt Ostdeutschlands gehören seit 40 Jahren zu Ummanz - genau wie ihr Züchter Norbert Briesemeister. Immer am letzten Adventswochenende schlüpft der 75-jährige Landwirt in die Rolle des Weihnachtsmannes und verteilt vom Pferderücken oder Kutschbock aus Geschenke. „Ho ho ho“, dröhnt Briesemeisters Bass beruhigend. Seine Stuten Neila und Jamila spüren die Anspannung und tänzeln aufgeregt auf der Stelle. Seit 1975 schon werden die robusten Haflinger Jahr für Jahr zur Ummanzer Bescherung aufgezäumt. Das Weihnachtsreiten Samstag vor Heiligabend habe er nicht ein einziges Mal verpasst, erzählt der rüstige Pferdefreund. Mit seinem Rauschebart sieht der alte Briesemeister auch ohne Larve aus wie Knecht Ruprecht. Ohne die Verkleidung aber nehme er niemals die Zügel zum traditionellen Gabenritt in die Hand.

Die Pferde sind gesattelt und geschmückt, der Kremser ist startklar, los geht's. Das Dutzend Weihnachtsreiter muss sich sputen, wollen sie bis zum Einbruch der Dunkelheit möglichst viele der 270 Insulaner in sieben verstreuten Dörfern beschenkt haben. Auf Ummanz, das seit 1901 erst eine kleine Brücke mit Rügen verbindet, ticken die Uhren noch langsamer als anderswo, wie Briesemeister – früher hier selbst Bürgermeister – meint. Viele Ältere leben auf dem Eiland, die Jungen seien längst fortgezogen, schildert das Insel-Original. 180 Rentner sollen besucht werden. Ehrenamtliche helfen beim packen und austeilen. Teure Geschenke braucht niemand, dafür gern einen Schnack an der Haustür, sagt Briesemeister. Bunte Beutel mit Kaffee, Süßigkeiten und Obst holen die berittenen Weihnachtsboten auf jedem Hof aus ihren Rucksäcken.

Gespannt wartet im Dörfchen Mursewiek schon die 86-jährige Edith Uerkvitz auf die weihnachtliche Prozession: „Wo sonst gibt's denn so was noch?“ Hilfs-Weihnachtsmann Berthold Eichhorn macht die Tour über Ummanz immer viel Spaß. „Die alten Leutchen warten das ganze Jahr auf uns, die Freude in ihren Gesichtern ist der schönste Dank.“ Ein paar freundliche Worte, das Wiehern der Pferde dazu, das zaubert den Leuten immer ein Lächeln ins Gesicht und dem einen oder anderen auch ein paar Tränen der Rührung. „Wir kümmern uns umeinander, das haben wir trotz der Wende nicht vergessen“, meint Briesemeister. Bis vor drei Jahren führte er die Tour noch selbst hoch zu Ross an, jetzt steuert er den Kremser und erzählt dabei Geschichten von früher. Etwa, wie in den 70ern die Weihnachtsmannroben mangels Materials aus rotem Fahnenstoff geschneidert werden mussten. Oder wie die Leute staunten, dass die Ummanzer Bescherung auch nach der Wende stattfand.

Nach vier Stunden im Sattel und auf dem Kutschbock sitzen die Weihnachtsreiter ab. Die Dämmerung senkt sich über Wiesen und Koppeln. Wenn die Tiere mit einer extra Portion Hafer und Äpfeln versorgt sind, werden sie ihre roten Mäntel ablegen und den Abend gemeinsam beschließen.

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