Weltmückentag : Kleine Krankheitsüberträger

 

 

Forscher aus MV machen Jagd auf die Blutsauger, um gesundheitliche Risiken durch die Tiere einzudämmen.

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20. August 2015, 06:00 Uhr

Heute Ist der Weltmückentag. Immer häufiger werden in Deutschland exotische Mückenarten gesichtet. Vor allem die Asiatischen Buschmücken (Aedes japonicus) und mehr noch die Asiatischen Tigermücken (Aedes albopictus) bereiten den Wissenschaftlern aktuell Kopfzerbrechen, denn die Tiere können gefährliche Krankheitserreger übertragen, wie etwa das Gelbfiebervirus, das West-Nil-Virus oder auch die Erreger des Denguefiebers.

Das Problem: Die Forscher wissen nur wenig darüber, wie die Tiere nach Deutschland gelangt sind, ob und wo sie sich genau vermehren. Vor allem beschäftigt sie aber die Frage: Können die tropischen Mücken den deutschen Winter überstehen und sich hierzulande gar dauerhaft ansiedeln? Fragen, die geklärt werden müssen, um die sogenannten „Insekten-assoziierten Krankheiten“ gar nicht erst zu einem Problem werden zu lassen.

Deshalb haben das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald und das Leibniz- Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg im Auftrag der Bundesregierung das Projekt „Mückenatlas“ ins Leben gerufen, bei dem das Auftauchen der verschiedensten Mückenarten in ganz Deutschland für die weitere Erforschung genauestens kartografiert wird.

Das Beste daran: Gerade am Weltmückentag, der an durch Mücken übertragene Krankheiten erinnert, kann und sollte jeder bei dem Projekt mitmachen und den Wissenschaftlern selbst gesammelte Mücken zuzuschicken, um sie so bei ihrer Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Schon 2012, im ersten Jahr des Monitoring-Projektes, beteiligten sich über 2000 Deutsche jeden Alters an der Mückenjagd und schickten den Forschern mehr als 6000 Stechmückenexemplare zu.

„Hier wird eine qualitativ hochwertige Datenlage erreicht, die ohne intensive Bürgerbeteiligung nicht denkbar wäre“, freuten sich die Forscher schon damals. Gleich zu Beginn der deutschlandweiten Mückenjagd fand sich aber auch eine echte Überraschung unter den Einsendungen: „Unabhängig voneinander hatten mehrere Einwohner des Großraums Bonn Exemplare der exotischen Asiatischen Buschmücke zur Identifizierung eingeschickt“, sagt Doreen Werner, Projektleiterin am ZALF.

Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler das Fundgebiet und die Umgebung genauer und waren erstaunt. „Wir fanden dort eine Vielzahl von Mücken und deren Larven in Blumenvasen, Gießkannen oder anderen Wasserbehältern, zum Beispiel auf Friedhöfen“, sagt Werner. Nur wie sie dorthin gekommen waren, ist den Forschern bis heute ein Rätsel. In Belgien geht man davon aus, dass einige der dortigen Buschmücken-Populationen durch den Handel mit gebrauchten Autoreifen aus Asien entstanden sind. In der Heimat der Asiatischen Buschmücken lagen die Altreifen auf Halde, wo die Mücken ihre Eier auf ihnen ablegten .

Mit dem Export dieser Reifen nach Belgien reisten auch gleich die Tiere mit ein. In Deutschland sieht die Situation allerdings etwas anders aus, meinen die Forscher. „Die Einführung von Aedes japonicus ist wohl auf die Einfuhr von Pflanzen oder Gütern aus Ostasien zurückzuführen, wo diese Mücke ihre Heimstatt hat“, so Norbert Becker von der Universität Heidelberg.

Die Asiatische Buschmücke hat sich auf einem etwa 2000 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Köln und Koblenz festgesetzt, haben die Forscher entdeckt. Der Entomologe Norbert Becker zieht den Schluss, dass Aedes japonicus als etablierte Art gelten müsse. Die Buschmücke verdränge anscheinend sogar einheimische Mückenarten, so Doreen Werner. In Deutschland finden sich aktuell 50 Stechmückenarten der weltweit insgesamt 3.500 Spezies, mitsamt der Asiatischen Buschmücke und einschließlich einer weiteren Stechmücke, die den Forschern noch mehr Sorgen bereitet: Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist auch längst in Deutschland angekommen.

Sie kann eine ganze Reihe von gefährlichen Krankheiten übertragen, vom Denguefieber über das West-Nil- Virus bis hin zum Chikungunyafieber. Die Tigermücke mag es noch wärmer als die Buschmücke. Die Forscher gingen bisher davon aus, dass sich die Tiere nur im Mittelmeerraum vermehren, ganz einfach weil es hierzulande zu kalt dafür ist.

Aufgefundene Exemplare wären demzufolge vereinzelt per Fernverkehr aus Südeuropa eingeschleppt worden und eventuell abgelegte Eier hätten somit den deutschen Winter nicht überstanden.

Doch Ende Juli 2015 konnten die Wissenschaftler des bundesweiten Monitoring-Projektes Eier, Larven, Puppen und ausgewachsene Mücken dieser Art im Osten Freiburgs nachweisen, und zwar an einer Stelle, an der schon letztes Jahr eine Population entdeckt worden war. Die Forscher gehen nun davon aus, das die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Überwinterung außerordentlich hoch sei. Doch laut den Experten besteht kein Grund zur Panik: Selbst bei einer Etablierung der Art sei das Übertragungsrisiko minimal, da die Mücken nicht per se infiziert seien. „In Deutschland wurden seit der Malaria-Ausrottung im letzten Jahrhundert keine Fälle von Krankheiten diagnostiziert, deren Erreger durch Stechmücken auf den Menschen übertragen worden waren.“ Dennoch müssen die kleinen Blutsauger natürlich gut im Auge behalten werden.

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