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Rollstuhlfechten : Kämpferisch mit Degen im Rollstuhl

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach langer Pause ist Ulrike Lotz-Lange wieder aktiv beim Weltcup im Rollstuhlfechten in Malchow dabei

Sorgsam schnallen die beiden 17 Jahre alten Mädchen den Rollstuhl von Ulrike Lotz-Lange in dem „Fechtgestell“ für den nächsten Wettkampf fest, denn anders als vermutet, fahren Fechter nicht mit dem Rollstuhl hin und her. Die beiden Fechterinnen sitzen sich in ihren Rollstühlen gegenüber und müssen den Arm ausstrecken, um den richtigen Abstand zueinanderzufinden. „En garde – Prêtes – Allez“, ruft der Schiedsrichter und es geht los beim Weltcup im Rollstuhlfechten in Malchow, der gestern begonnen hat.

„Fechten ist eine ganz tolle Sportart, die mich von Beginn an gepackt hat, weil ich sie machen und dabei Spaß haben kann“, sagt die 50-Jährige grinsend. Seit 1994 übt sie diesen Sport aus. Durch einen Artikel in einer Zeitschrift für Rollstuhlfahrer hat sie von dieser Sportart erfahren. „Ich habe dann bei dem Verfasser des Artikels angerufen, um einen Kontakt zum Trainer herzustellen und dann habe ich auch gleich angefangen zu trainieren.“

Da die 50 Jahre alte Frau eine genetisch bedingte Lähmung beider Beine und Arme hat, gehört sie zu den Fechtern der „Klasse C“. Sie ist bei diesem Wettbewerb die Einzige in dieser Klassifizierung, deshalb muss sie gegen Fechter der „Klasse B“ antreten. Diese besitzen zwar keine komplette Rücken- und Bauchmuskulatur, haben aber keine Einschränkungen im Bereich Arme und Hände. „Klar haben die einen Vorteil, weil sie beweglicher sind, trotzdem gebe ich mein Bestes“, sagt sie mit einem Lächeln.

Ihr Degen steckt in einem Spezialhandschuh: Er ist durch eine Schlaufe am Handgelenk sowie mit Klettverschluss am Mittelfinger und Ringfinger befestigt, da Ulrike Lotz-Lange nicht greifen kann. „Den Degen muss mir ein Helfer festmachen, aber bewegen kann ich den dann schon allein – und auch ein bisschen tricksen“, sagt sie schmunzelnd. Während des Kampfes passiert es schon, dass ihr Oberkörper nach vorne kippt. Dann ruft sie laut „Stopp“ und der Schiedsrichter richtet sie wieder auf. „Ich habe keine Bauchmuskulatur, deswegen kann ich meinen Oberkörper nicht bewegen oder aufrichten“, erzählt die 50-Jährige.


Comeback nach zwölf Jahren


Immer wieder bekommt sie Anfeuerungsrufe von ihrer 16 Jahre alten Tochter Marcela. Sie sitzt ebenfalls im Rollstuhl und begeistert sich für den Fechtsport. „Durch meine Tochter bin ich überhaupt erst wieder auf den Sport gekommen“, verrät die Fechterin. Eigentlich legte sie den Degen im Jahr 2001 weg, aber bei den deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr „ist der Funke übergesprungen und ich wollte wieder mitmachen“, sagt sie lachend. Nach einer zwölfjährigen Pause hat sie es wieder zum Weltcup geschafft. Trotz der langjährigen Erfahrung ist sie vor dem Wettbewerb sehr nervös: „Ich habe die Nacht ganz schlecht geschlafen, weil ich ziemlich aufgeregt war. Ich habe nur ein Ziel: Ich will nur nicht Letzte werden.“

Diese Hilfe braucht der Profi Steffen Nordmann nicht, der im vergangenen Jahr die deutsche Meisterschaft in allen Waffen gewann. „Ich mag beim Fechten, dass es ein Einzelsport ist und ich allein entscheide, was ich wann mache“, sagt der Wahl-Berliner. Lange Zeit spielte der ehemalige Rostocker Rollstuhl-Basketball. „Die Fechter trainierten in der gleichen Halle, wie wir Basketballer. Erst habe ich nur zugesehen und dann mal mitgemacht und mich lieber für diesen Sport entschieden – und es nicht bereut“, sagt der 29-Jährige. Bei dem Weltcup in Malchow, wo sich das gesamte Wochenende Sportler aus 30 Nationen messen, wolle er erst einmal eine gute Vorrunde abliefern. Schließlich können sich die neun deutschen Teilnehmer für die Europameisterschaft qualifizieren.

 

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erstellt am 17.Jan.2014 | 21:15 Uhr

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