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Sternsinger : „Ihr seid ein Segen für die Welt!“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vier Lübzer unter den Sternsingern, die im Kanzleramt zu Gast waren / Angela Merkel empfängt die 108 kleinen Könige an Krücken

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Einen Tag nach ihrem Skiunfall empfängt Angela Merkel gestern 108 kleine Könige aus ganz Deutschland – unter ihnen mit Marie Günther, Meike Hoppe, Anna Schäfer und Laura Günther auch vier aus Lübz. Es war der Kanzlerin eine Herzensangelegenheit. Angela Merkel stützt sich auf Krücken.

Es ist Merkels erster öffentlicher Auftritt seit Bekanntwerden ihres Ski-Unfalls. Ein Termin, der ihr sichtlich Mühe bereitet, den sie sich aber trotz Beckenring-Bruchs nicht nehmen lassen wollte. Das Malheur in der Langlauf-Loipe erwähnt Merkel aber nur kurz: Sie könne „nicht ganz so gut“ stehen und solle „eigentlich mehr liegen“, erklärte sie.

Eine Reise nach Polen und viele andere Polit-Termine hatte die Kanzlerin abgesagt, nicht aber die traditionelle Begegnung mit den Sternsingern. Nun steckt sie ihnen einen Geldschein in die Spendenbüchse – für syrische Flüchtlingskinder im Libanon. Fröhlich singt Merkel das Lied „Wir kommen daher aus dem Morgenland“ mit. Ein Mädchen hält ihr das Textblatt hin. Immer wieder winkelt Merkel ihr linkes Bein zur Entlastung an, stützt sich währenddessen auf ihre Krücken. Mal benutzt die Kanzlerin diese, um ihre Gesten zu unterstreichen. Mal winkt sie ihren Staatssekretär Helge Braun zum Gruppenfoto herbei. „So, jetzt brauche ich meine Krücken: Gehhilfen, wie man medizinisch korrekt sagt“, ruft Merkel, als die Sternsinger mit Kreide den traditionellen Segen 20*C+M+B*14 („Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“) an die Wand des Kanzleramtsfoyers kritzeln wollen.

„Sie können den Segen heute auch besonders gebrauchen“, sagt Prälat Klaus Krämer vom Kindermissionswerk, das die Sternsingeraktion bundesweit organisiert, an Angela Merkel gewandt. Die hatte zumindest die 27 Erinnerungsfotos mit jeder einzelnen Bistums-Delegation auch schon Peter Altmaier (CDU) übertragen, ihrem für diese Aufgabe bestens qualifizierten Kanzleramtsminister. Der berichtet den Kindern, dass er in seiner Jugend im Saarland selbst als König verkleidet um die Häuser zog. „Ich war immer der Balthasar“, sagt Altmaier. „Und damals war der Balthasar ja noch mit einem dunklen Gesicht ausgestattet.“ Diesmal kommt kein Kind mehr mit schwarzer Schminke im Gesicht. Doch den Sternsingern attestiert Altmaier, sich für eine der besten und edelsten Seiten der Menschen zu engagieren: Den Einsatz für Menschen in Not.

Marie Günther, Meike Hoppe, Anna Schäfer und Laura Günther aus der Pfarrei Herz Jesu in Lübz waren schon am Tag zuvor nach Berlin gereist. „Wir haben beim Sternsingertag in unserem Erzbistum an einem Quiz teilgenommen und dabei die Reise nach Berlin gewonnen“, sagt Meike Hoppe. Spannend sei es, nun im Kanzleramt zu sein, „auch wenn uns die Bundespolizei nicht mit Blaulicht hergefahren hat“.

Im Gegenteil: „Die Busse kamen heute morgen sogar zu spät“, sagt die Religionslehrerin Sabine Friedrichowicz, die die Mecklenburger Gruppe begleitete. Gut 30 Kinder beteiligen sich in Lübz am Sternsingen, knapp 4000 Euro kamen im vergangenen Jahr zusammen. Ein stolzer Betrag, der in das bundesweite Gesamtergebnis von 44 Millionen Euro einfloss, die rund 11 000 Kindergruppen etwa für die medizinische Versorgung von Kindern in Tansania sammelten. In diesem Jahr stehen Flüchtlinge im afrikanischen Malawi im Zentrum der Spendenaktion.

Und auch Angela Merkel geht in ihren Begrüßungsworten für die Sternsinger darauf ein: „An Flucht und Vertreibung können sich besonders die Älteren in Deutschland noch gut erinnern“, sagt Merkel. Wenn heute 45 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht seien, müsse das gerade die Deutschen besonders bewegen. Doch Hoffnung auf konkrete Veränderungen zugunsten der Flüchtlinge macht Merkel den Sternsingern gestern nicht: Viele Menschen hätten zwar Wünsche. Aber konkrete Ziele zu erreichen, sei in der Politik nicht so einfach, gibt sie den Kindern mit auf den Weg. Doch das Engagement der kleinen Könige beeindruckt die Bundeskanzlerin: „Ihr seid ein Segen für die Welt!“



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