Rettungsdienst : Helfer in Not wegen fehlender Hausnummern

Rettungskräfte verlieren wertvolle Zeit, wenn sie nach Adressen suchen müssen.
Rettungskräfte verlieren wertvolle Zeit, wenn sie nach Adressen suchen müssen.

Suche nach Adressen kostet Rettungskräften oft wertvolle Zeit – Minuten können über Leben und Tod entscheiden

svz.de von
21. September 2015, 21:00 Uhr

Die Hilfe naht, aber sie findet die Adresse nicht: Verliert der gerufene Rettungsdienst wertvolle Zeit bei der Suche nach der Hausnummer, kann das Leben kosten. Schon zwei, drei Minuten entscheiden zum Beispiel bei einem Herzversagen unter Umständen über Leben oder Tod. Nach Schätzungen des Notfallmediziners Gernot Rücker aus Rostock sterben in Deutschland jedes Jahr rund 1000 Menschen aus diesem Grund. Das liegt zum einen an der unterschiedlichen Vorgehensweise der Städte bei der Nummerierung. Oder die Hausnummern sind gar nicht von der Straße aus zu erkennen.

„Oft fahren Einsatzkräfte zunächst in die falsche Richtung, müssen links und rechts absuchen und unter Umständen, oft auf schmalen Straßen, mit dem Rettungswagen wenden“, sagt Rücker vom Notfallausbildungszentrum der Universität Rostock. „Diese Todesfälle sind völlig unnötig.“ Darauf sollten Hausbesitzer achten:

Gut sichtbar am Tag: Die Hausnummern müssen von der Straße aus gut sichtbar sein. Liegt der Eingang aber versteckt, sollten zusätzliche Nummern am Car-Port, der Garage, dem Brief- oder Zeitungskasten sowie an Mauern und Zäunen angebracht werden. Einen Tipp für Balken und Car-Ports aus Holz: Hier kann man mit bunter Kreide die Hausnummer daraufschreiben. Sie hält auf Holz gut und schädigt das Material nicht.

Beleuchtet bei Nacht: Das Branchenportal Licht.de rät, dass Ziffern beleuchteter Hausnummern mindestens zehn Zentimeter hoch sein sollten. So seien sie auch aus 20 Metern Entfernung noch immer gut lesbar. Alternativ können Hausnummern auch von Strahlern oder den normalen Leuchten am Eingang erhellt werden, dann sollte die Zahl aber etwa 20 Zentimeter hoch sein. Die Beleuchtung ist in manchen  Kommunen sogar Pflicht.

Klingel beschriften: Es muss gleich klar ist, wer in einem Haus wohnt. Das bedeutet: Bei gleichen Nachnamen im Gebäude oder der Nachbarschaft mindestens den  Vornamen abgekürzt auch angeben. Aber wer in einem großen Mietshaus mit zwei Dutzend Namen auf dem Klingelfeld wohnt, sollte besser den Rettungsdienst unten am Eingang abholen. Die Suche nach der Klingel kostet hier viel Zeit.

Mit Handtuch winken: Wenn es möglich ist, den Rettungsdienst immer schon an der Straße erwarten. Und diesen am besten mit einem Handtuch oder Kleidungsstück heranwinken, im Dunkeln mit Taschenlampe oder Handylicht. Das bringt auch Klarheit, wenn die Ankunft von Rettungswagen oder gar Hubschrauber viele Anwohner herbeiruft, die auf die Straße stürmen und das Spektakel verfolgen wollen. „Kinder, aber auch Erwachsene, winken den Helfern zu – diese wissen durch das Wirrwarr an Handzeichen nicht, zu welchem Haus sie gerufen wurden“, erklärt der Notfallmediziner Rücker.

 Schon beim Anruf möglichst den Einsatzort genau beschreiben: Der Verband Privater Bauherren rät, nicht nur Straße, Hausnummer und gegebenenfalls Stockwerk anzugeben, sondern auch Besonderheiten wie Hinterhof, Parkplatz oder etwa Garten hinter dem Haus.

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