Krisensitzung im Rathaus : Heizwerk pleite: Feldberg muss zittern

Constance  Lindheimer, SPD
Constance Lindheimer, SPD

Privater Energieerzeuger stellt am 5. März Betrieb ein / Empörung und Verunsicherung in der Stadt / Gestern Krisensitzung im Rathaus

von
25. Februar 2014, 12:13 Uhr

Krisentreffen gestern Vormittag im Feldberger Rathaus. Der Stadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte droht der Notstand. Weil das Biomasse-Kraftwerk am 13. Februar in Insolvenz ging, ist die Wärmeversorgung in der Stadt in Gefahr. Ein in Mecklenburg-Vorpommern bislang einmaliger Vorgang. „Der Insolvenzverwalter hat uns einen Notbetrieb bis zum 5. März zugesichert“, sagte nach der Krisensitzung die Bürgermeisterin der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, Constance Lindheimer (SPD), gegenüber unserer Redaktion. Dann wird das defizitärer Biokraftwerk voraussichtlich abgeschaltet und liefert weder Strom noch Wärme.

Am Krisentreffen nahmen neben der Bürgermeisterin und dem Insolvenzverwalter Vertreter der Stadtwerke Neustrelitz, Landrat Heiko Kärger (CDU) und der CDU-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Vincent Kokert, teil. Die Region gehört zu Kokerts Wahlkreis.

Betroffen sind 66 Anschlüssen in Feldberg – darunter die Hans-Fallada-Schule, die Reha-Klinik „Am Haussee“, die Kita „Spiel und Spaß“, das Rathaus, ein Altenheim, sowie diverse Privathaushalte.

Das 1998 in Betrieb genommene Holzheizkraftwerk Feldberg nutzte Restholz aus Landschafts- und Forstpflege zur Strom- und Wärmegewinnung. „Für uns war das Angebot eine ökologische und preiswerte Alternative“, erklärte die Bürgermeisterin. Außerdem wurden mit dem Kraftwerk zwölf Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region geschaffen. Darum entschied sich die Stadt damals, Wärmeenergie aus dem privat betriebenen Kraftwerk zu beziehen. Aus Mangel an Altholz verbrannte das Werk später teures Neuholz und wurde unrentabel.

Vor drei Jahren kaufte die auf alternative Energien spezialisierte Hamburger Fondsgesellschaft NMI Capital das Kraftwerk für 3,4 Millionen Euro. Die Gesellschaft gehört zur ebenfalls in Hamburg ansässigen OwnerShip Gruppe, die vor allem Kapitalanlagen aus dem Bereich der hochriskanten Schiffsbeteiligungen anbietet. Bereits Ende vergangenen Jahres gab es Anzeichen für eine Schließung des Betriebes. Mitarbeiter erhielten nach Weihnachten ihre Kündigungen. Am 13. Februar wurde Insolvenz eingereicht.

Die Stadt bereitet sich auf die drohende Eiszeit vor. Die Schulverwaltung hat den Eltern mitgeteilt, dass sie wegen der drohenden Abschaltung des Heizkraftwerkes die Kinder vorsorglich mit wärmerer Kleidung zum Unterricht schicken sollen. „Für den Notfall haben wir als Zwischenlösungen für die größeren Einrichtungen mobile Heizcontainer geplant“, sagte Bürgermeisterin Lindheimer. Das sind Fahrzeuge mit Öltank, Heizungs- und Warmwasseranlage, die für viel Geld gemietet werden müssen. Die Klinik „Am Haussee“ war eine der ersten Einrichtungen, die sich eine solche Überbrückungsvariante liefern ließ.

Eine Lösung der komplizierten Situation wäre ein „Betriebsübergang“ an die Neustrelitzer Stadtwerke. Dazu liefen derzeit Gespräche, sagte die Bürgermeisterin. Vincent Kokert könnte sich eine Unterstützung durch das Land bei notwendigen „Investitionen auf seriöser Basis“ vorstellen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen