Aus den Gerichtssaal : Händler gesteht Steuerbetrug

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64-Jähriger tätigte Geschäfte mit gebrauchten Maschinen in Osteuropa - und zeigt Reue.

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18. November 2015, 08:00 Uhr

Um möglichst mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, hat ein Maschinenhändler gestanden, rund 400 000 Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Er bedauere sein Fehlverhalten zutiefst, sagte der 64-jährige gestern vor dem Schweriner Landgericht. Erleichtert sei er, jetzt reinen Tisch machen zu können. Neun Jahre sind verstrichen, seit die Steuerfahnder sein Haus in einem Dorf östlich von Parchim durchsuchten. Die Razzia im Jahr 2006 habe ihn so schockiert, dass er noch immer unter den psychischen Folgen leide, sagte der Angeklagte. Eine Herzoperation hat er bereits hinter sich. Allerdings sei ihm klar, dass er nur einen minimalen Teil seiner Schulden begleichen kann. Er lebe inzwischen mit von der kleinen Rente seiner Lebensgefährtin und dem Geld, das sein Sohn ihm zusteckt.

In Sachsen ist er groß geworden. Nach der zehnten Klasse machte er eine Schlosserlehre und arbeitete einige Jahre auf Montage. Fast zwanzig Jahre aber müssen es gewesen sein, die er als Pionierleiter tätig war. Nach der Wiedervereinigung hatten es Leute wie er nicht leicht. Seine Lebensgefährtin versuchte sich im Schrotthandel – und er, so schilderte es der Angeklagte vor Gericht – war ihr Angestellter. In den 1990er Jahren habe es schließlich viele stillgelegte Betriebe zu entkernen gegeben. Vor etwa 15 Jahren kam dem Angeklagten die Idee, dass einige gebrauchte Maschinen keineswegs ausrangiert und zerlegt werden müssen. Er suchte Kunden in Osteuropa. Genügend Russen kannte er schon „seit meiner Kindheit“. Vor allem Maschinen aus Lebensmittelbetrieben verkaufte er in den Osten. Nach wenigen Jahren liefen die Geschäfte nicht mehr so gut, angeblich auch, weil er einigen Geschäftspartnern zu sehr vertraut hatte und auf offenen Rechnungen sitzen blieb. Mit der Insolvenz offenbarten sich auch die Steuerschulden.

Gemessen an der Höhe der hinterzogenen Steuern, wie sie ihm von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wird, muss er damals regelmäßig mit recht großen Beträgen zu tun gehabt haben. Nur diese ordentlich zu verwalten, so scheint es, fiel ihm schwer. Auch heute meidet er scheinbar fast alles, was mit Geld zu tun hat. Er weiß nicht, ob er Miteigentümer des Hauses ist, in dem er mit seiner Partnerin wohnt. Er weiß nicht, wie hoch seine künftige Altersrente ausfällt. Er weiß nicht, wie hoch die Schulden sind, die zu begleichen sind. Er hat kein Konto, und er fährt den Zweitwagen seines Sohnes, der sogar das Benzin bezahlt. „Ich muddel mich so durch“, behauptete der Angeklagte. Der Sohn arbeite übrigens bei einer Straßenmeisterei. Wer dessen Sohn im Internet sucht, finden indes einen Händler in einem Dorf östlich von Parchim, der gebrauchte Nudelmaschinen, industrielle Saftpressen und Butterpumpen anbietet.

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