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Gemischte Badegefühle

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erstellt am 22.Jun.2010 | 06:58 Uhr

Hamburg/Kühlungsborn | Wie ungetrübt ist die Badefreude an Nord- und Ostsee wirklich? Die EU spricht vom "sauberen Badespaß" an deutschen Küsten, dagegen schlägt der ADAC Alarm. Die Wassertester des Automobilclubs haben die Strände selbst unter die Lupe genommen - mit einer durchwachsenen Bilanz. Das Wasser an einzelnen Spiel- und Badezonen von 22 Stränden ist vielfach mit Keimen belastet. Mecklenburg-Vorpommern hatten die nach EU-Regeln durchgeführten Messungen vom vergangenen Jahr eine gute Wasserqualität bescheinigt.

"Besorgniserregend" nannte Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik, gestern in Hamburg die eigenen Testergebnisse. In fast einem Viertel der Fälle wurden die Grenzwerte teils mehrfach und oft auch sehr hoch überschritten. Fäkalbakterien trübten an 17 Stellen den Badespaß. Die ADAC-Experten hatten 72 Messstellen an der deutschen Küste eingerichtet und dabei besonders Problembereiche ins Visier genommen.

Der Badegewässer-Bericht der EU hatte erst vor wenigen Tagen nahezu allen Ostseeküsten und 99 Prozent der deutschen Nordseeküste die Einhaltung von EU-Standards bescheinigt. Die deutschen Küsten seien so sauber wie seit 20 Jahren nicht mehr, hieß es. Dagegen sorgten die ADAC-Daten im Nordosten an einer schon bei früheren Messungen umstrittenen Stelle für neuen Konfliktstoff. Am westlichen Ortsrand von Kühlungsborn bewerteten die Prüfer die Wassergüte an einem Bachlauf als "mangelhaft". Vorigen Sommer hatte ein ADAC-Test an genau derselben Stelle einen zu hohen Bakteriengehalt angezeigt. "Alle Messpunkte sind jetzt aber einwandfrei", entgegnete der Sprecher des Landes-Tourismusverbands, Tobias Woitendorf. Die aktuelle Badewasserkarte für die mecklenburg-vorpommersche Ostseeküste zeige auch im Umkreis von Kühlungsborn nur blaue Punkte - laut Legende sind die entsprechenden Zonen "zum Baden sehr gut geeignet".

Der Chef des Landesamts für Gesundheit und Soziales, Heiko Will, hatte die Resultate im vergangenen August scharf kritisiert. Statt "an einem fließenden Gewässer" müssten solche Proben im Meer selbst gezogen werden. Die Gesundheitsämter in Mecklenburg-Vorpommern hatten bereits im Mai auf Grundlage von Messungen nach EU-Vorgaben vom vorigen Jahr die Wasserqualität an rund 400 Stellen als hervorragend eingestuft. Jedoch erhielten zwei Stellen in der Badewasserkarte für 2010 wegen einmalig schlechter Messwerte einen roten Punkt und sind in dieser Saison mit "zum Baden noch geeignet" ausgezeichnet. Immerhin 38 Stellen der vom ADAC gemeinsam mit dem Hydra-Institut untersuchten Stellen bekamen jetzt ebenfalls die Noten "sehr gut" und "gut". "Mangelhaft" lautete das Urteil an vier Stellen, "bedenklich" an 13. Zu den Siegern gehörten Strandabschnitte in Boltenhagen an der Ostsee sowie in Westerland (Sylt) an der Nordsee, zu den Verlierern neben dem Abschnitt bei Kühlungsborn auch Eckernförde. Untersucht wurden die Proben auf Keime, die zum Beispiel Magen-Darm-Krankheiten oder Hautausschläge auslösen können.

Das Ostseebad Kühlungsborn reagierte auf die ADAC-Ergebnisse und kündigte Maßnahmen an, um den festgestellten Verschmutzungen zu begegnen.

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