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Vereine in MV : „Geld unterm Kopfkissen is’ nicht“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Sparverein „Sparspaß“ in Schwerin hat sich einer alten Tradition verschrieben: Einmal in der Woche finden sie sich in der Kneipe ein – dann ist Zahltag.

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 07:58 Uhr

Ein kleiner, blau lackierter Metallschrank hängt unscheinbar an der Wand der Schweriner Kneipe „Brunnenkrug“. Versehen ist er mit 40 durchnummerierten Fächern, jedes mit einem Schlitz und einem Namensschild ausgestattet. Der Schrank ist das Herzstück des Schweriner Clubs „Sparspaß“. Der Verein zählt 37 Mitglieder. Ihr Hobby: Sparen.

Sparvereine sind selten – zumindest in den neuen Bundesländern. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Brauch weitgehend unbekannt. So war es auch ein Lübecker, der Mitte der 1990er-Jahre die Idee in die Landeshauptstadt brachte. „Er kannte das von zu Hause. Als er nach Schwerin zog, übernahm er die Tradition und gründete den Verein“, erzählt Club-Vorsitzende Christel Altenburg.

Mehr als 14 Jahre ist das nun her. Seither treffen sich die Mitglieder einmal die Woche immer zur selben Zeit in der Schweriner Traditionsschänke. Auch der Sparer aus Lübeck ist noch dabei. „Pause machen wir nur zwischen Weihnachten und Neujahr“, sagt Altenburg.

Das Prinzip des Sparvereins ist schnell erklärt: Mindestens 2,50 Euro muss jedes Mitglied in der Woche einzahlen. So schreibt es die Club-Satzung vor. Zwei Euro sind für die persönliche Rücklage vorgesehen, 50 Cent wandern in die Vereinskasse – für die alljährliche Weihnachtsfeier. „Wie viel jeder genau einzahlt, ist jedem selbst überlassen. Nach oben gibt es aber keine Grenze“, so die Vorsitzende.

Wer vergisst, den wöchentlich fälligen Sparbeitrag in sein Kästchen zu werfen, muss einen Euro Strafe zahlen. Kassensturz ist jede Woche. Dann ist Roland Gätcke gefragt. Er ist Kassierer im Verein und für die Auszählung der Gelder verantwortlich. Dafür muss er zunächst den Sparschrank öffnen. Das kann er aber nicht allein. Ein zweiter Kassierer ist notwendig. Der Grund: Beide haben einen eigenen Schlüssel, aber nur gemeinsam geben sie die Kästchen hinter den Spar-Schlitzen frei.

Fach für Fach zählen Gätcke und seine Club-Kollegin die Spareinlagen dieser Woche aus und halten sie akribisch in einem Kassenbuch fest – selbst die kleinsten Cent-Beträge werden notiert. „Das Zählen geht relativ schnell“, so Gätcke. „Wir brauchen knapp 20 bis 30 Minuten.“ Im Schnitt kommen in sieben Tagen mehrere Hundert Euro zusammen, im Jahr rund 20 000 Euro, fügt Christel Altenburg hinzu.

Angst davor, dass Diebe den Sparschrank plündern könnten, hat die Vorsitzende nicht. „Der Wirt wohnt direkt über seiner Kneipe und ich wohne nur zwei Häuser weiter. Ich pass auf“, sagt Altenburger.

Die wöchentliche Summe zahlt der Club auf ein eigenes dafür eingerichtetes Bankkonto ein. So gibt es sogar noch Zinsen obendrauf. „Geld unterm Kopfkissen is’ nicht“, so Altenburg.

Die rüstige Vorsitzende nennt einen überzeugenden Grund, um über einen Sparverein ein paar Euro beiseitezulegen. „Das Gute ist, dass man an das Geld nicht rankommt – ausgenommen sind natürlich Notfälle. Wenn man sich das Geld zu Hause zurücklegen würde, würde man vielleicht doch rangehen und es ausgeben.“ So dagegen verbleibe das Geld in sicherer Verwahrung.

Bis zum Zahltag – meist am Ende eines Jahres. Dann bekommen die Club-Mitglieder ihr Erspartes wieder zurück. Einige bezahlen davon offene Rechnungen, andere geben es für Weihnachtsgeschenke aus oder leisten sich davon einen Urlaub. Auch Christel Altenburg spart dieses Jahr für eine Reise. „Das Ziel steht aber noch nicht fest“, sagt sie.

Sparen allein ist für den Club aber nicht alles. Bei den wöchentlichen Treffen geht es auch darum, die Gemeinschaft zu erleben. „Über die Jahre sind Freundschaften entstanden“, erzählt Altenburg. Die Mitglieder, darunter Handwerker, Beamte und Rentner, unternehmen auch außerhalb des Vereins etwas zusammen. So trafen sie sich auch schon, um gemeinsam Karten zu spielen und zu grillen. Eine Gruppe ist sogar zum Weinfest an die Mosel gefahren.

Bei den gemeinsamen Unternehmungen ist auch noch Platz für weitere Mitglieder. Denn nicht alle Fächer des kleinen, blau lackierten Sparschranks sind belegt. „Für ein, zwei Nasen ist noch was frei“, bestätigt Christel Altenburg. Wer Interesse hat, meldet sich beim Wirt des „Brunnenkrugs“ Peter Wendt.

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