Ludwigslust : Gefangen im Pannen-Fahrstuhl

Hartmut Eickhoff war knapp zwei Stunden im Pannenfahrstuhl gefangen.
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Hartmut Eickhoff war knapp zwei Stunden im Pannenfahrstuhl gefangen.

Mann steckt im Lift an der Ludwigsluster Fußgängerbrücke über die Bahngleise fest. Die Freiwillige Feuerwehr rückt an.

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17. Dezember 2013, 21:30 Uhr

Gefangen im Pannen-Lift. Was viele Ludwigsluster schon lange befürchtet haben, ist nun tatsächlich eingetreten. Am Montagabend ist wieder einmal einer der Fahrstühle an der Fußgängerbrücke über die Bahngleise in Stiftsnähe stecken geblieben – und mit ihm zum ersten Mal ein Fahrgast.

Es ist gegen 17.45 Uhr, als der Mann die Fußgänger- und Radfahrerbrücke im Zuge der Neustädter Straße überquert. Er steigt in den Fahrstuhl, um hinunterzufahren. Der Lift ruckt an, um nach wenigen Zentimetern wieder stehen zu bleiben. Kein Drücken auf die Knöpfe hilft. Der Fahrstuhl bleibt, wo er ist, und hält seine Tür fest verschlossen. Der Ludwigsluster ist gefangen. Schließlich drückt er den Notrufknopf. Und dann heißt es warten. Lange warten. Zu lange warten.

Der Notruf läuft in Berlin in der Zentrale des Fahrstuhlbauers auf, die den beauftragten Bereitschaftsdienst informiert. Obwohl laut Vertrag höchstens 30 Minuten zwischen Notruf und Ankunft bei der eingesperrten Person vergehen dürfen, sei die Schweriner Firma erst nach einer Stunde dagewesen, berichtete Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung bei der Stadtverwaltung Ludwigslust, gestern. „Erst hatte sie Mühe, den Aufzug zu finden, und dann passte wohl ein mitgebrachter Schlüssel nicht.“ Der für die Personenrettung zuständige Bereitschaftsdienst war also da, konnte aber nicht retten. Ein Unding. Schließlich nimmt Gröger, der vom Fahrstuhlbauer inzwischen auch informiert worden war, Kontakt zu Stadtwehrführer Bodo Thees auf, um die Rettung des Eingeschlossenen endlich auf den Weg zu bringen. Parallel dazu geht jedoch auch bei der Rettungsleitstelle ein Notruf ein.

„Die Freiwillige Feuerwehr Ludwigslust ist um 19.13 Uhr von der Leitstelle alarmiert worden“, erklärte Bodo Thees. Sie rückt mit zehn Kameraden und zwei Fahrzeugen – einem LF 16 und einem Rüstwagen – aus. „Im Fahrstuhl befand sich eine Person mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor“, beschrieb Bodo Thees die Situation vor Ort. Der Feuerwehr gelang es schließlich, eine Verriegelung oberhalb der Tür zu öffnen und die Tür mit Gewalt auseinanderzudrücken. „Das ging überraschend schnell“, so Bodo Thees. Nach wenigen Minuten war der gefangene Mann wieder frei. Doch fast zwei Stunden lang hatte er im bockenden Aufzug festgesessen.

Diese erste Rettungsaktion – bisher waren nie Personen in den immer wieder streikenden Liften gefangen gewesen – ist nach Ansicht von Jens Gröger grundlegend schiefgegangen. Er hat gleich gestern Morgen von der Aufzugsfirma eine Stellungnahme eingefordert. Zudem sollen nach dem Vorfall von Montag einige Feuerwehrkameraden eine spezielle Einweisung bekommen, damit neben dem Bereitschaftsdienst weitere Leute eine Personenrettung durchführen können. „Hätte der Fahrstuhl auf halber Höhe den Dienst versagt, wäre die Situation deutlich schwieriger gewesen“, so Bodo Thees.

Seit der Freigabe des Brückenbauwerks vor fast genau einem Jahr gibt es immer wieder Probleme. Erst waren an beiden Seiten die Motoren der Fahrstühle defekt und mussten ausgetauscht werden. Dann funktionierten die Relais an den Aufzugstüren nicht vernünftig. Vor rund drei Wochen musste ein Gleichrichter ausgetauscht werden. „Völlig untypisch. Ein Gleichrichter geht selten kaputt“, erklärte Jens Gröger. Ein bis drei Ausfälle pro Jahr seien – statistisch gesehen – für solche Fahrstühle normal. Die Ludwigsluster Anlage hat, vor allem wegen der Motorenprobleme, innerhalb von zehn Monaten mehr als 50 Ausfalltage gehabt.

Eine schlüssige Erklärung, warum es an beiden Aufzugsanlagen immer wieder zu Störungen kommt, hat bislang weder die Stadtverwaltung noch der Liftbauer. Es werde derzeit geprüft, ob „ein Zusammenhang zu den Hochgeschwindigkeitszügen besteht, die mehrfach täglich… mit höchster Geschwindigkeit vorbeifahren und dadurch elektromagnetische Felder erzeugen…“ Aber wenn schon. In der Leistungsbeschreibung zum Bauvertrag sei diese Besonderheit ausreichend beschrieben, so Jens Gröger. „Wir wollen ein fehlerfrei funktionierendes Bauwerk haben. So haben wir es bestellt und bezahlt.“


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