Meeresmuseum Stralsund : „Für uns ist gutes Wetter schlecht“

Schlange stehen vor dem Ozeaneum – trotzdem wurden die Erwartungen an die Besucherzahlen nicht erfüllt.  Fotos: stefan sauer
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Schlange stehen vor dem Ozeaneum – trotzdem wurden die Erwartungen an die Besucherzahlen nicht erfüllt.

Supersommer und Konkurrenz: weniger Besucher im Meeresmuseum. Die millionenschwere Erweiterung des Ozeaneums bleibt offen.

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19. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Das schöne Sommerwetter und konkurrierende Ausstellungszentren auf der Insel Rügen haben 2013 zu einem Besucherrückgang beim Deutschen Meeresmuseum geführt. „Wir rechnen mit bis zu zehn Prozent weniger Besuchern als 2012“, sagte Museumsdirektor Harald Benke in Stralsund. Im Jahr 2012 kamen rund 964 000 Neugierige in die vier Einrichtungen des Meeresmuseums. In diesem Jahr werden es Museumsschätzungen zufolge knapp 100 000 weniger sein.

Die Rückgänge ergaben sich vor allem in den urlauberstarken Sommermonaten Juli und August. Trotzdem: Das Deutsche Meeresmuseum mit Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel, dem Stammhaus in der Altstadt, dem Natureum am Darßer Ort und dem Nautineum auf der Strelasund-Insel Dänholm ist noch immer Norddeutschlands meistbesuchtes Museum.

Das Ozeaneum hofft nun noch auf viele Besucher zwischen Weihnachten und Silvester. „Für uns Museumsleute ist gutes Wetter schlecht“, sagte Benke. Zudem sei anzunehmen, dass die gewachsene Museums-Konkurrenz auf Rügen dazu beigetragen habe, dass Urlauber auf der Insel blieben. Im Sommer 2013 öffnete das Naturerbezentrum bei Prora, seitdem wurden dort rund 180 000 Gäste gezählt. „Das Ergebnis lag sogar leicht über unseren Erwartungen“, freute sich der Leiter des Naturerbezentrums, Jürgen Michalski.

Für das Ozeaneum werden 2013 etwas mehr als 550 000 Besucher (2012: 632 000) erwartet – die Größenordnung, die in Wirtschaftlichkeitsberechnungen vor der Eröffnung 2008 anvisiert waren. Kein anderes Ausstellungszentrum in Mecklenburg-Vorpommern ist so von den Besucherzahlen abhängig, denn der Betrieb des Ozeaneums wird ohne Zuschüsse ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert – eine Bedingung, die Bund und Land damals für die Finanzierung der Baukosten von 60 Millionen Euro gestellt hatten.

Unklar ist, ob sich angesichts der Besucherentwicklung eine Erweiterung des Ozeaneums um einen rund 40 Millionen Euro teuren Neubau rechnet. „Wir warten mit Spannung auf die Wirtschaftlichkeitsberechnung“, sagte Museumschef Benke. Ergebnisse sollen Anfang 2014 vorliegen. Bund und Land sollten das Vorhaben mit je 15 Millionen Euro kofinanzieren.

Neben der Ozeaneumserweiterung hat das Meeresmuseum zudem noch ehrgeizige Pläne für sein 1974 eröffnetes Stammhaus. Nach dpa-Informationen könnten die für das Ozeaneum gedachten Fördermillionen in den Umbau und die Modernisierung des alten Meeresmuseums fließen.

Im Meeresmuseum in der Stralsunder Altstadt werden in diesem Jahr erstmals weniger als 200 000 Gäste erwartet (2012: 201 000 Besucher) Diesen Traditionsstandort wollen die Museumsmacher durch eine Neugestaltung der Ausstellung aufwerten. „Für die Aquarien soll es eine neue Story geben“, sagte Benke. Besucher sollen sich entlang der Becken auf eine Reise durch die gemäßigten und tropischen Gewässer vom Mittelmeer über die Kanaren, die Karibik, Panama-Kanal, Pazifik, Indischen Ozean bis zum Roten Meer begeben können. Die Ausstellungshalle in der ehemaligen Katharinenkirche soll luftiger gestaltet werden, die Dokumentation und die Museumsobjekte zur Geschichte der Fischerei sollen ins Nautineum wandern. Die Finanzierung dieses millionenschweren Projekts ist bislang nicht geklärt.

Benke hält die Realisierung beider Projekte, Ozeaneums-Erweiterung und Sanierung des Stammhauses, für möglich und verweist auf die Geschichte des Meeresmuseums. „Wir haben uns nie auf dem Geschaffenen ausgeruht.“ Stolz ist das Ozeaneum auf die stabile Zucht von Ohren- und Kompassquallen, die 2013 erstmals gelang. Zudem werden ab 2014 zum ersten Mal sensible Tiefseekorallen aus dem Nordmeer in einem Aquarium gezeigt.

Das Jahr 2014 steht inhaltlich unter dem Thema „Müll in den Meeren“ mit verschiedenen Projekten. Gezeigt werden soll eine Kunstausstellung vom Museum für Gestaltung aus Zürich mit dem Titel „Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt“.

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