Schönheit : Für ihr Aussehen geliebt

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Viele Menschen mit europäischen Wurzeln sind in Indonesien berühmt / Cinta Laura Kiehl ist in dem südostasiatischen Land ein Star

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01. März 2015, 15:01 Uhr

Cinta Laura Kiehl sprach kaum ein Wort Indonesisch, als vor neun Jahren ihre Karriere in dem südostasiatischen Land begann. Heute ist die 21-Jährige, Tochter eines deutschen Vaters und einer indonesischen Mutter, dort als Sängerin und Schauspielerin ein Star. Einen ausländischen Akzent hat sie noch immer, ebenso den Hang, englische und indonesische Wörter zu mischen. Doch genau das macht sie so beliebt bei den Indonesiern. Sie finden „CLK“ faszinierend und witzig – wie die meisten Eurasier, die in ihrem Land leben.

Kiehl war als Kind eine sehr gute Schwimmerin, gewann etliche Medaillen. Mit zwölf Jahren aber zwingt eine Blinddarm-Operation sie zu einer Pause vom Sport. Ihr Tanzlehrer ermutigt sie, an einem Model-Contest teilzunehmen. Dieser wird ihr Leben verändern: Kiehl holt den ersten Platz. Es folgen eine Rolle in einer Fernsehserie und 2007 dann die eigene Seifenoper „Cinderella: Ist Liebe nur ein Traum?“, die zum TV-Hit wird.

2010 nimmt Kiehl ein Studioalbum auf: Es verkauft sich eine Million Mal. Nebenher macht sie ihren Schulabschluss und schafft es sogar, an der renommierten Columbia University in New York angenommen zu werden. Im vergangenen Jahr folgt auch dort der Abschluss – mit Auszeichnung. Kiehl bleibt in den USA: In Los Angeles strebt sie nun eine Hollywood-Karriere an. „Anfangs war es sehr schwierig für mich, mich anzupassen“, beschreibt die junge Überfliegerin via E-Mail ihre Karriere in Indonesien. „Die Leute vergessen oft, dass ich nicht dort aufgewachsen bin.“ Kiehl lebte mit ihrer Familie vor Indonesien schon in Deutschland, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Ich wurde sehr deutsch erzogen, wo Pünktlichkeit, Leistungsfähigkeit und Disziplin dazugehören, um erfolgreich zu sein.“ In Indonesien hingegen kämen viele Schauspieler und Setmitglieder oft zu spät zur Arbeit.

Talentscouts in Indonesien suchen gezielt Menschen mit europäischen Wurzeln für Jobs im Showgeschäft – vor allem wegen ihres als attraktiv empfundenen Aussehens. Neben Kiehl wurden so etwa Julie Estelle Gasnier, Dewi Sandra Killick und Rianti Cartwright bekannt.

„Die Vorstellung, dass alle eurasischen Kinder Berühmtheiten werden, ist in Indonesien sehr etabliert“, sagt Rosalind Hewett, die indonesische Geschichte an der australischen Nationaluniversität in Canberra lehrt. „Und es ist üblich, dass man dies binationalen Paaren für ihre künftigen Kinder empfiehlt.“

Dabei waren Menschen europäischer Abstammung in Indonesien nach der niederländischen Kolonialzeit lange nicht gut gelitten. In den ersten Jahren nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung 1945 wurden Eurasier sogar als mögliche Verräter betrachtet und verfolgt.

Wie sieht Kiehl ihren Erfolg in Indonesien? Ein westliches Aussehen sei von Vorteil, gibt sie zu. Doch man brauche auch Talent und Charisma. Die Menschen dort seien „besessen“ von heller Haut und einer großen Statur. Das sei schade: „Es ist ziemlich traurig, dass viele Indonesier nicht ihre eigene, seltene Schönheit wahrnehmen.“ „Unterhaltsam-nervig“ – so empfänden viele Indonesier die Art, wie Kiehl spricht, kommentierte Tiza Mafira in der Zeitung „Jakarta Globe“. „Zuerst war es lustig, dann schräg, dann unerträglich.“ Schließlich aber hätten die Leute – wie so oft bei Prominenten der Unterhaltungsbranche – eine gewisse Vorliebe dafür entwickelt.

Nach Ansicht des Drehbuchautors Arswendo Atmowiloto haben aber nicht nur Indonesier ein Faible für westliches Aussehen. Eurasier spielten zudem schon seit den 1950er-Jahren in indonesischen Filmen mit. Doch nun treibe man es etwas zu weit: „Ganz offensichtlich können einige dieser Schauspieler noch nicht mal schauspielern“, sagt er.

Kiehl lassen Witze über ihren Akzent und den Sprachenmix kalt: „Das hat meine Popularität gesteigert“, schreibt sie. Im Grunde könne sie sich bei ihren Fans nur bedanken – und auch bei ihren Kritikern.

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