Freizeit : Ferien für kranke Kinder

Theresa Neumann mit Sonja im Klettergarten
Theresa Neumann mit Sonja im Klettergarten

Insgesamt 43 Kinder verbringen ihre Ferien beim zweiten Diabetescamp in Plau am See

svz.de von
14. Juli 2014, 11:53 Uhr

Das zweite Diabetescamp für Kinder- und Jugendliche in Norddeutschland beginnt heute in Plau am See. 43 Kinder und Jugendliche verbringen diese Woche unter Aufsicht und Anleitung von Ärzten, Psychologen und Diabetesberatern und sollen dabei lernen, „wie sie souveräner mit ihrer Erkrankung durch den Alltag kommen“, wie Ina Dolenga, Sprecherin des veranstaltenden MediClin-Müritz-Klinikums gestern erklärte. Die Teilnehmer des Ferienlagers, das laut Veranstalterangaben in seiner Art einzigartig in Norddeutschland ist, sind zwischen vier und zwanzig Jahren alt, kommen aus fünf Bundesländern und haben Typ-I-Diabetes, eine lebensgefährliche, chronische und unheilbare Krankheit.

Was die Kinder in den fünf Tagen vorhaben, klingt wie einfacher Ferienspaß: Kletterwald, Diskobesuch, Stadtbummel, baden und grillen. Im Gegensatz zu anderen Ferienlagern werden die Diabetes-Kids aber ständig überwacht und angeleitet, denn Überzuckerung und Unterzuckerung kann bei ihnen drastische und gefährliche Auswirkungen haben, erläuterte Kathrin Kintzel, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Die 53 Jahre alte Medizinerin hat das Feriencamp initiiert.

Wenn ein Diabetiker zum Beispiel zu wenig oder zu spät isst oder seine Mahlzeit sogar vergisst, kann der Blutzucker zu tief absinken. Zu erkennen ist dieser Mangel an einer plötzlichen Wesensänderung: Aggressivität, Alberei, Weinerlichkeit, besonders starke Anhänglichkeit, Blässe, Zittern, Schwitzen, Müdigkeit, Schwäche, Heißhunger, ungewohnte Zerstreutheit.

Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) und Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) wollen sich am Donnerstag über Diabetes bei Kindern und über Trends in der Therapie informieren. Denn immer mehr Menschen erkranken bereits im Kindes- und Jugendalter an Diabetes, hauptsächlich Kinder mit Typ-1-Diabetes infolge einer Autoimmunerkrankung, erklärten Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Jedoch dürfte auch die Zahl der Kinder steigen, die aufgrund von Fettleibigkeit und Bewegungsmangel einen Typ-2-Diabetes entwickeln, fügten die Mediziner hinzu.

Die Befürchtung der Fachgesellschaft gründete sich auf aktuelle Trends in den USA. Dort sei die Zahl der Erkrankungen an Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen einer neuen Studie zufolge innerhalb von nur acht Jahren um 31 Prozent gestiegen. „Um eine solche Entwicklung in Deutschland zu verhindern, brauchen wir mehr frühe Prävention schon in Kindergarten und Schule“, erklärte Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG.



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