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Eine fette Erfolgsstory

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Berlin | Zum 40-jährigen McDonald’s-Deutschland-Jubiläum heißt es - wunderbar unpassend und gewohnt doppeldeutig - "Einfach Asien". Der Kunde kann einen "Wasabi Beef"- oder einen "Thai Curry Chicken"-Burger bestellen. Es ist diese schon aus "Los Wochos"-Zeiten bekannte kulturelle Arroganz, die McDonald’s-Kritiker auf den Plan ruft. Eine weltumspannende Hamburger-Kette, die sich in ihrem Filialnetz-Imperialismus anmaßt, die kulinarischen Besonderheiten ganzer Kontinente auf ein paar plump betitelte Fastfoodprodukte einzudampfen; die Eigenheiten plattwalzt und deren multikulturelles Verdienst nur darin besteht, auf einen hohen Migrantenanteil bei der Personalzusammensetzung verweisen zu können.

Aber, Hand aufs Herz: Regt man sich über den Fastfoodkolonialismus und seine gesundheitslichen Folgen noch auf? Die Tatsache, dass wir als Nation tendenziell verfetten, bedarf mittlerweile keiner Orchestrierung durch Studien und Statistiken mehr. In den meisten Schulen wird längst versucht, Kindern und Jugendlichen ein halbwegs gesundes Essverhalten schmackhaft zu machen. Lobenswert. Und dann? Haben die engagierten Ernährungspädagogen nicht den Hauch einer Chance gegen Ein-Euro-Cheeseburger-Lockangebote, "Happy Meal"-Wundertüten und McDonald’s-Geburtstagspartys. "Industrial Food" schlägt Vitamine und Ballaststoffe. Marketing schlägt Moral. Vanille-Shake statt Braeburn-Apfel. McDonald’s auf Siegeszug. Und der Rechtfertigungszwang, unter den man durch einen "McDo"-Besuch gerät, lässt immer mehr nach.

Der Vorwurf der kulturellen Amerikanisierung der (jungen) Bundesrepublik war im Prinzip schon abgearbeitet, als am 4. Dezember 1971 in der Münchner Martin-Luther-Straße die erste deutsche McDonald’s-Filiale öffnete. Denn bereits in den 50er-Jahren hatte ein Konglomerat aus Hemingway-Bestsellern, Hollywood-Kassenschlagern, Jazz und Rock’n’Roll die Verwestlichung der "Bonner Republik" in Gang gesetzt. Zwar hielt die Studenten- und Hippiebewegung ab 1967 mit ihrem prätenziösen Antiamerikanismus dagegen. In puncto Protestformen, Kleidungsstil und Musikgeschmack war sie allerdings viel zu sehr von den USA beeinflusst, um ihre "Ami go home"-Attitüde glaubwürdig verkörpern zu können. Dennoch: Unter Umwelt-, Friedens- und Gleichberechtigungsaktivisten der 70er- und 80er-Jahre hielt sich eine passiv-aggressive Reserviertheit gegenüber fast allem, was aus den Vereinigten Staaten kam; erst recht gegenüber Fastfood. Zumal Günter Wallraff 1985 in "Ganz unten" die Arbeits- und Hygienebedingungen bei McDonald’s öffentlich machte. Die Folge: In den letzten Jahren der "Bonner Republik" war ein Besuch bei MCD eine Art politisches Statement. Speziell die Popper-Bewegung liebte es, die milde belächelten Ökos zu provozieren und ging zu McDonald’s.

Heute ist nur noch wenig von den Grabenkämpfen zu erkennen. Die Burgerketten-Kultur kommt unserem beschleunigten Alltagslebens entgegen. Keine Zeit für ein in Ruhe zubereitetes Mahl. Stattdessen - zack - zu "McDo". Die Bedienung? Unpersönlich, aber korrekt. Das Essen? Nicht doll, aber ruckzuck fertig. Das Publikum? Gemischt, aber nicht asozial. "Easy going" halt, und ohne Knoblauch.

Seien wir ehrlich: Im Grunde geht (fast) jeder ab und an mal hin. Und jeder hat seine Favoriten: "McRib" oder "Big Mac" mit süßlicher Sauce, "Royal TS", "McBacon" und "Fish Mac" (dessen Umbenennung in "Filet-o-Fish" meist ignoriert wird). Dazu, man schämt sich fast, die klammheimliche Freude, wenn mal wieder ein rot-gelber Gutscheinbogen ins Haus flattert - Rabattmarken. Kein Zweifel: McDonald’s hat es geschafft.

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erstellt am 02.Dez.2011 | 06:40 Uhr

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