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EHEC-Ermittler stochern im Nebel

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erstellt am 07.Jun.2011 | 07:59 Uhr

Berlin/Hamburg/Straßburg | Die EHEC-Ermittler haben einen neuen Rückschlag erlitten. Die von einem Patienten aus Hamburg abgegebene Sprossen-Probe ist EHEC-frei, wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte. Es sei für alle Beteiligten "absolut unbefriedigend und auch beängstigend, dass die Quelle noch nicht gefunden wurde". Der 42-jährige Hamburger hatte das Sprossengemüse eines inzwischen gesperrten Hofs in Niedersachsen im Kühlschrank vergessen. Die mehrere Wochen alte Packung hätte den Behörden dabei helfen können, die Infektionsquelle zweifelsfrei nachzuweisen.

Erste Laborproben aus dem betroffenen Hof in Bienenbüttel waren am Montag ebenfalls negativ ausgefallen. Der Betrieb war in Verdacht geraten, weil er zahlreiche Lokale und Kantinen beliefert hatte, von denen Gäste erkranken. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, Reinhard Brunkhorst, hält Sprossen für eine wahrscheinliche Quelle der EHEC-Epidemie. Brunkhorst, Chefarzt am Oststadt-Krankenhaus in Hannover, hatte alle seine 18 Patienten, die unter der schweren Form HUS leiden, befragt. "16 von ihnen haben sich daran erinnert, Sprossen gegessen zu haben", sagte Brunkhorst gestern. Bei den rund 50 HUS-Patienten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) kann sich dagegen keine Mehrheit an den Verzehr von Sprossen erinnern.

Wegen der neuen Rückschläge bei der Suche nach der Quelle des gefährlichen EHEC-Keims wird der Ruf nach einer "zentralen Seuchen-Polizei" immer lauter. Auf scharfe Kritik stieß das deutsche Krisenmanagement zur Eindämmung der Epidemie im EU-Parlament in Straßburg. Europäische Bauern können indes mit Entschädigungen von mindestens 150 Millionen Euro rechnen.


Anstieg der Infektionszahlen flacht in einigen Ländern ab

Die EU-Agrarminister einigten sich bei einem Sondertreffen in Luxemburg grundsätzlich auf Hilfen für die von der EHEC-Krise betroffenen Bauern, sagte ein EU-Diplomat am Rande des Treffens. Der Vorschlag der EU-Kommission von insgesamt 150 Millionen Euro sei allerdings nicht beschlossen worden - er sei zu niedrig. In der kommenden Woche will die Kommission einen neuen Vorschlag vorlegen und darin das Volumen des Fonds anpassen.

Mit Blick auf das Krisenmanagement sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu "Bild.de": "Für besonders gefährliche Keime brauchen wir eine mobile Eingreiftruppe". Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, forderte "den Umbau des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur zentralen Seuchen-Polizei in Deutschland". Lauterbach will dazu die RKI-Experten mit allen Kompetenzen und dem Recht ausstatten, wie die Bundeswehr "Reservisten" heranzuziehen, etwa Spezialisten von Unis.

Bundesweit sind rund 3000 EHEC-Fälle und -Verdachtsfälle registriert. Mindestens 21 Menschen sind nach Angaben von Behörden gestorben. In den Ländern Hamburg und Niedersachsen flachte der Anstieg der Infektionszahlen ab. Dagegen ist die Zahl der Menschen, die sich in Schleswig-Holstein mit dem Darmkeim ansteckten, innerhalb eines Tages um fast 100 auf 676 gestiegen.

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