Flüchtlingslager Mühlengeez : Drei Quadratmeter pro Person

Gert Schmidt steht in einer der großen Hallen, in denen übers Wochenende vier mal acht Meter große Räume eingerichtet werden.
Gert Schmidt steht in einer der großen Hallen, in denen übers Wochenende vier mal acht Meter große Räume eingerichtet werden.

24 Stunden Hochbetrieb auf dem Ausstellungsgelände in Mühlengeez: In einer Woche sollen die ersten Asylsuchenden einziehen

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23. September 2015, 08:00 Uhr

Am Dienstag kommen die ersten Flüchtlinge. Ursprünglich war der Einzug bereits für heute geplant.  „Ein großes Glück“, atmet Manuela Hamann vom  DRK Güstrow auf, dass sich die Ankunft der ersten  Unterkunftsuchenden verschiebt. „Wir haben  einfach mehr Zeit, um alles auf die Beine zu stellen.“

Zunächst kommen 1250 Menschen. Später werden es 1600 – auf dem Gelände des Messe-  und Ausstellungszentrums  in Mühlengeez bei Güstrow.  Vor zwei Wochen fand hier noch die  Landwirtschaftsschau Mela statt.

Eine riesige Herausforderung für den Kreisverband des DRK, der den Auftrag erst vergangene Woche übernommen hatte. Die Organisation verlange den Beteiligten alles ab. „Auf dem Gelände herrscht 24 Stunden Hochbetrieb“, sagt Manuela Hamann. Drei riesige Ausstellungszelte wurden bereits  zu Wohnzelten angepasst, eines komplett neu errichtet. 3660 Quadratmeter hat ein Zelt, halb so groß wie ein Fußballfeld. Für 400 Menschen soll es reichen.

Die Unterkünfte sind schon jetzt mit Fußbodenheizung ausgestattet, „zudem werden kleine Räume in den Zelten eingerichtet, um ein Mindestmaß an Privatsphäre zu schaffen.“ Vier mal acht Meter sollen die Räume einmal haben, Unterkunft für zehn Menschen, drei Quadratmeter pro Person  – zwei Meter mal eineinhalb Meter zum Leben.

Das   DRK will bis die Flüchtlinge kommen kleine Teams bilden. Ideal wäre eines auf zehn Flüchtlinge, um sich gezielt um  Probleme kümmern zu können. Allerdings werden noch immer hauptamtliche Mitarbeiter gesucht. Das DRK bräuchte  100  Betreuer, Übersetzer, Sozialarbeiter. „24 haben wir bislang unter Vertrag nehmen können“, erzählt Hamann. „Das ist zu wenig, da wir nicht alles auf Ehrenamtler oder Mitarbeiter umlegen können, die eigentlich anderweitig beschäftigt sind.“

Die Verpflegung der Flüchtlinge wird durch das Catering-Unternehmen „MAZ-Treff“ und das DRK gewährleistet. Das ist bereits organisiert.  Eine Sicherheitsfirma  bewacht die Zelte schon jetzt rund um die Uhr. Seit dem Wochenende ist das Gelände für den öffentlichen Zutritt gesperrt.  „Das Problem ist, dass wir keine Erfahrungswerte haben“, sagt Hamann. „In dieser Größenordnung haben wir noch nichts organisiert. Es ist auch Improvisation gefragt.“ Aber: Sie steht mit anderen Hilfsgruppen in Kontakt – zum Beispiel aus Rostock.

Auch hier ist Improvisation und das DRK gefragt:  Nach kurzer Absprache mit der Stadt hatte die Universität am vergangenen Wochenende das Institutsgebäude „Alte Physik“   für Ankömmlinge vorbereitet. Dort wurden nach Angaben des Rektors Wolfgang Schareck am Sonntag bereits  35 Flüchtlinge untergebracht. In dieser Woche könnten  120 weitere folgen. Organisiert wird die Unterkunft derzeit von der Gemeinschaft „Rostock hilft“ und dem „Jugendalternativzentrum“. Eine Übernahme durch das DRK sei aber in Planung, so Schareck.

„Wir haben noch Möglichkeiten“, sagte der DRK-Landesvorsitzende Werner Kuhn gestern in Schwerin. „Sollten Betten oder Decken fehlen, werden wir Hilfe von internationalen Rotkreuz-Gesellschaften in Anspruch nehmen.“ Kuhn sagt, dass vor allem den vielen ehrenamtlichen Helfern  nicht genug gedankt werden könne. Es brauche mehr hauptamtlicher Kräfte, sagt auch er.  Das DRK wünscht sich  deshalb für die Aufnahmeeinrichtung in Mühlengeez ein „mobiles Team“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das bei der Koordination hilft.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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