Schwerin : Der Goldene Saal – das Prachtstück des Schlosses

Der Schlossgartenflügel, der den Goldenen Saal beherbergte.
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Der Schlossgartenflügel, der den Goldenen Saal beherbergte.

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19. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Der Goldene Saal im Schlossgartenflügel war der größte und prunkvollste Raum des Schweriner Schlosses. Ihn prägten wertvolle Intarsienböden, vielarmige Kronleuchter, farbige Malereien sowie kunstvolle Stuckornamente und goldene Verzierungen. Beim großen Schlossbrand im Dezember 1913 wurde er weitgehend zerstört und bis September 1915 nur im Rohbau wieder aufgebaut. Es dauerte fast 60 Jahre, bevor in seiner Hülle 1972 ein moderner Konzertsaal eröffnet wurde.

Es müssen Spar-Vorschläge der Schlossbaumeister gewesen sein, die Großherzog Friedrich Franz IV. 1917 zu einer Klarstellung veranlassten. Mitten im Weltkrieg war er bereit, einige Vorhaben zum Wiederaufbau des Schlosses zurückzustellen. An den Plänen für den Goldenen Saal jedoch duldete er keine Abstriche. Er gehöre zu jenen Räumen, die derart gestaltet werden müssten, „dass dieselben, die nach menschlichem Ermessen für eine lange Spanne Zeit geschaffen werden, die Perle des Landes – das altberühmte Schweriner Schloss – in neuem Glanz erstrahlen lassen und für die kommenden Generationen eine Sehenswürdigkeit an künstlerischer und baulicher Ausführung bilden werden“.

Daraus wurde nichts. Der Goldene Saal stand auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch leer. 1952 begann die Hochbauverwaltung, ihn zu einem Kongress-, Konzert- und Kinosaal auszubauen. Mit viel Beton hatten die Bauleute gerade eine Empore in den nun nach dem Schlossbaumeister Demmler benannten Saal gezogen, als der Ausbau offenbar im April 1952 gestoppt wurde. Die Staatliche Plankommission in Berlin gab die notwendigen Gelder nicht frei. Drei Monate später wurden die Länder in der DDR und damit auch der Landtag aufgelöst. Das Schloss wurde zum Sitz der Pädagogischen Schule für Kindergärtnerinnen. Die benötigte keinen Festsaal.

1967 wurden die Arbeiten am Goldenen Saal mit neuen Plänen wieder aufgenommen. Die Grundform war durch den Betoneinbau vorgegeben. Die weit in den Saal hereinragende Brüstung wurde lediglich etwas abgeschlagen. Der Boden wurde abgesenkt, um die Sitzreihen mit gut 400 Plätzen leicht aufsteigend aufstellen zu können. Der gesamte Saal wurde im Stil der Zeit mit Holz vertäfelt.

Mit der Opern-Diva Hanne-Lore Kuhse als Gast und dem Dirigenten Walter König am Pult wurde der Festsaal 1972 vom Staatlichen Sinfonieorchester Schwerin eingeweiht, das ihn von nun an für Konzerte nutzte. Aber auch zahlreiche Schweriner Jugendliche standen jedes Jahr im Frühjahr zur Jugendweihe auf der Bühne. „Aufs Schloss zu gehen, das hatte schon etwas Besonderes“, erzählt eine Teilnehmerin. Der Festsaal war für viele Jahre auch der zentrale Ort des „Poetenseminars“, zu dem die FDJ zwischen 1970 und 1989 jeden Sommer den literarischen Nachwuchs der DDR nach Schwerin einlud.

Als 1990 der Landtag ins Schloss zurückkehrte, wurde es ruhiger im Festsaal, der wohl weder die Musiker noch das Publikum jemals richtig überzeugen konnte. „Seine jetzige Gestaltung und seine Form sind jedoch für Konzerte in der erforderlichen Qualität nicht geeignet“, notierten die Bauverantwortlichen bereits 1986 und empfahlen eine Totalrekonstruktion. Die beginnt nun 27 Jahre später - und unter vollkommen veränderten Vorzeichen.

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