25 Jahre MV : Chef der ersten rot-roten Koalition

Ringstorff in seinem Garten in Weiße Krug bei Warin
Ringstorff in seinem Garten in Weiße Krug bei Warin

Letzter Teil unserer Serie zum Landesjubiläum: Ex-Ministerpräsident Harald Ringstorff stand über zwei Jahrzehnte in der ersten Reihe .

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22. September 2015, 12:00 Uhr

Wenn man Harald Ringstorff auf die Anfangszeit der Sozialdemokratischen Partei in der DDR anspricht, kommt der heute knapp 76-Jährige ins Schwärmen. Der eher als norddeutsch-kühler Pragmatiker bekannte Mann engagierte sich in Rostock. „Das war eine aufregende Zeit. Wir waren von einer mitreißenden Aufbruchstimmung geprägt“, erinnert sich der ehemalige Ministerpräsident. Mit funkelnden Augen erzählt er von einer Begegnung mit Willy Brandt im Frühjahr 1990 in Warnemünde.

Kurios dagegen eine Anekdote, laut der ihm die Bundeskanzlerin einmal erzählte, dass sie fast in den Reihen der SPD gelandet wäre, aber wohl Respekt vor den damit verbundenen Offenbarungen über die eigene DDR-Vergangenheit hatte. Ohne mit der Wimper zu zucken, räumt Ringstorff aber ein, dass es für ihn und die meisten seiner Weggefährten um die Deutsche Einheit als Ziel ging. Ringstorff: „Wir haben vor allem gesehen, dass die DDR-Planwirtschaft am Ende war. Für weitere Experimente waren wir also nicht mehr zu haben.“

Obwohl bereits zur Landtagswahl 1994 eine rot-rote Landesregierung in Schwerin möglich gewesen wäre, habe man zu diesem Zeitpunkt noch nicht ernsthaft über eine solche politische Konstellation nachgedacht. „Die Zeit war einfach noch nicht reif.“ Er ging zunächst als Wirtschaftsminister in eine Große Koalition unter Berndt Seite (CDU). In dieser Zeit hat es ihn schwer getroffen, dass Seite ohne sein Wissen mit seiner damaligen Finanzministerin Bärbel Kleedehn (CDU) bei Bundesfinanzminister Waigel den Werftendeal nach der Bremer Vulkan-Pleite eingefädelt hat. Das hätte man, so Ringstorff heute, in einer Großen Koalition so nicht machen dürfen.

So kam es dann, auch wegen des schlechten Klimas zwischen CDU und SPD, 1998 zur ersten Koalition von SPD und PDS. Bundesweit herrschte Empörung, im Land hieß die Regierung schnell der „Prima-Klima-Klub“. Der frühere Ministerpräsident lobt noch heute, dass es sich bei den Linkssozialisten um verlässliche Partner mit fähigen Politikern handelte. Zu den Erfolgen dieser Zusammenarbeit zählt er eine gute Ansiedlungspolitik, eine gute Entwicklung im Tourismusbereich sowie eine solide Finanzpolitik.

„Es gab natürlich auch Linke, mit denen man zurechtkommen musste“, schätzt er, ohne Namen zu nennen, ein. Die Entscheidung für eine Koalition mit der PDS war für ihn übrigens nie eine Frage der Macht für seine Person. Es sei stets um eine gedeihliche Entwicklung des Landes gegangen, meint Ringstorff.

Dass Ringstorff in seiner dritten Legislaturperiode als Ministerpräsident auf halber Strecke das politische Handtuch geworfen und sein Amt zur Verfügung gestellt hat, führt er aus heutiger Sicht sowohl auf eine gewisse Amtsmüdigkeit – „es hat mich zunehmend sehr geschlaucht“ –, als auch auf seinen Pragmatismus zurück, einen geordneten Führungswechsel herbeizuführen. Die gelegentliche Kritik, mit Erwin Sellering keinem politischen „Landesgewächs“ den Staffelstab übergeben zu haben, begegnet er mit den Worten: „Es ist schon von Vorteil, aus dem Land zu kommen. Aber es ist keine Bedingung. Und Erwin Sellering hat oft genug bewiesen, dass er sich der Probleme der Ostdeutschen engagiert und hörbar annimmt.“

Erklärend fügt er hinzu, dass bei der „Amtsübergabe nicht alles ganz glücklich gelaufen“ sei und gegen mögliche Kandidaten wie Till Backhaus wegen diverser Eigenheiten durchaus nachvollziehbare Bedenken ins Feld geführt wurden. Zu seinen Lebensweisheiten zähle übrigens, so Ringstorff, dass er anderen raten würde, nach etwas anderem als hauptamtlicher Politik zu streben.

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