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Bundesverdienstkreuz für Melde : Bundespräsident ehrt Schweriner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Ich bin sehr gespannt und aufgeregt“, sagt Michael Melde, der am heutigen Montag dem Bundespräsidenten gegenüberstehen wird.

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Drei- oder viermal hat Michael Melde den Brief aus dem Bundespräsidialamt gelesen. Ja, es ist wahr. Als Anerkennung für sein jahrelanges Engagement für Menschen mit Behinderungen wird der 60-jährige Schweriner mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Heute ist der große Tag, heute wird Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin den Orden verleihen. Um 11 Uhr beginnt der Festakt im Schloss Bellevue. „Ich bin sehr gespannt und aufgeregt“, sagt Melde, den seine Frau Dora, Tochter Theresa und ihr Freund Francois begleiten werden.

Michael Melde steht dem Bundespräsidenten nicht alleine gegenüber. Insgesamt 37 Frauen und Männer aus der ganzen Republik werden von Joachim Gauck geehrt. Melde ist der einzige Ausgezeichnete aus Mecklenburg-Vorpommern – befindet sich aber in bester Gesellschaft. Unter den Geehrten sind unter anderem der ehemalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, der Schauspieler Götz George und der Leipziger Kabarettist Bernd-Lutz Lange sowie weitere Aktive aus der Demokratiebewegung in der DDR von 1989. „Wenn man diese Namen liest, schlägt das Herz gleich noch ein bisschen höher“, schwärmt Melde.

Seit 1991 engagiert sich der Schweriner ehrenamtlich. Rudolf Hubert von der Caritas, heute Geschäftsführer des Westmecklenburger Kreisverbandes, habe ihn damals gefragt, ob er sich für Aussiedler einsetzen möchte. Melde stimmte zu, kümmerte sich um eine Familie, die aus Russland nach Schwerin gekommen war, ging mit den Kindern ins Kino und in den Zoo. „Ich helfe gern anderen Menschen, für andere da zu sein, macht mir großen Spaß.“

Kein Wunder, dass Rudolf Hubert den Schweriner mit einer neuen Aufgabe betraute: Der Ökumenische Kreis für Menschen mit Behinderung, von der Caritas und der Kontakt- und Beratungsstelle des Diakoniewerks „Neues Ufer“ ins Leben gerufen, benötige Unterstützung. Dreimal im Monat holte Melde eine Frau, die in einem Rollstuhl saß, aus ihrer Wohnung in Krebsförden ab und fuhr sie zu den Treffen des Ökumenischen Kreises im katholischen Gemeindezentrum St. Andreas und in der evangelischen Petrusgemeinde, beide im Mueßer Holz. Was nur als Fahrdienst gedacht war, wurde schnell mehr. „Ich bin bei den Treffen geblieben und habe geholfen“, sagt Melde. Irgendwann sei dann die Idee entstanden, eine Theatergruppe zu gründen. Der Name der Gruppe: „Mediansi“, die Abkürzung für „Menschen, die anders sind“.

Michael Melde kümmerte sich um Requisiten, Kulissen und Beleuchtung, machte Termine, organisierte Fahrdienst und Verpflegung, suchte Sponsoren – war Mädchen für alles. „Ich bin nach und nach immer stärker in die Theaterarbeit eingestiegen“, berichtet er. In Kitas und Altersheimen sind die Darsteller mit körperlicher oder geistiger Behinderung aufgetreten, aber auch bei Stadtteilfesten und sogar auf der IGA in Rostock. Vor Publikum aufzutreten, die Anerkennung zu spüren, gebe den Behinderten so viel, stärke ihr Selbstbewusstsein ungemein.

Michael Melde selbst zieht seine Kraft aus seinem christlichen Glauben. Er ist Mitglied der katholischen Gemeinde St. Anna, engagiert sich im Vorstand der Caritas-Westmecklenburg. In Schwerin lebt der gebürtige Thüringer seit 1979. „Meine Frau ist Schwerinerin“, sagt der 60-Jährige, der mehr als 30 Jahre bei der Eisenbahn gearbeitet hat. Unter anderem war der studierte Verkehrs-Diplomingenieur als Schichtleiter am Schweriner Hauptbahnhof tätig, später auch als Fahrplan- und Rangiertechnologe. Heute verdient er sein Geld bei einer Sicherheitsfirma.

Die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz sei für ihn eine echte Wertschätzung seines ehrenamtlichen Engagements. Und er weiß auch schon, was er dem Bundespräsidenten sagen wird: „Es ist für mich als Bürger Mecklenburg-Vorpommerns eine besondere Ehre, von einem Bundespräsidenten ausgezeichnet zu werden, der auch in MV zu Hause ist.“

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