Sandsturm-Prozess : Begraben unter dem Lkw

Bild des Grauens: Feuerwehrleute sind auf der A19 bei Kavelstorf nach dem Sandsturm-Unfall im Einsatz.
Bild des Grauens: Feuerwehrleute sind auf der A19 bei Kavelstorf nach dem Sandsturm-Unfall im Einsatz.

Tod eines Rentners: Vier Jahre nach dem Sandsturm-Unfall auf der A19 hat der nächste Prozess begonnen

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22. September 2015, 21:00 Uhr

Nach dem verheerenden Sandsturm über der Autobahn A 19 bei Rostock im April 2011 können die Juristen immer noch nicht die Akten schließen. Seit gestern wird über den Tod eines 70 Jahre alten Rentners aus Güstrow vor dem Amtsgericht in Rostock verhandelt. Er war eines der acht Opfer, die dem Feuer nicht entkamen, das nach der Massenkarambolage von bis zu 80 Fahrzeugen auf der Fahrspur Richtung Rostock ausbrach. Er saß schwerverletzt in seinem Auto eingeklemmt, nachdem ein weißer Lkw seinen Wagen gerammt hatte. Angeklagt ist jedoch der Fahrer eines gelben Sattelschleppers, der hinter dem weißen Lkw fuhr. Der 52-jährige Mann aus der Nähe von Güstrow soll nicht genug abgebremst haben, als er in die Sandwolke fuhr, die von einem Acker in dichten Schwaden über die Autobahn geweht wurde. So fuhr er laut Anklage auf einen Kleinbus und auf den weißen Lkw auf, wodurch dessen Fahrerhaus so abknickte, dass es den Wagen des Rentners unter sich begrub.

Der Angeklagte ist allerdings überzeugt, dass er seinen Laster noch zum Stehen gebracht hatte, bevor dieser von einem dritten Lkw gerammt wurde. „Ich war froh, dass ich zum Halten gekommen war. Mir schlotterten die Knie“, sagte er dem Richter. Er habe unter Schock gestanden.

Ihr Mann habe sie noch gebeten, Hilfe zu holen, erzählte die Witwe des Opfers. Sie selbst wurde schwer verletzt und lag lange im Krankenhaus. Genaue Angaben zum Unfall konnte sie jedoch nicht machen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung einen Strafbefehl über neun Monate Haft auf Bewährung zugestellt. Da der Lkw-Fahrer diesen nicht akzeptierte, muss der Fall nun vor Gericht verhandelt werden. Wie im ersten Sandsturm-Prozess, der im Juli zu Ende ging, baut die Staatsanwaltschaft auf ein Gutachten. Unfallsachverständige hatten die Karambolage in viele kleine Einzel-Unfälle aufgeteilt und soweit wie möglich die Verursacher ermittelt. Der Angeklagte will dem ein zweites Gutachten entgegenstellen, das er selbst in Auftrag gegeben hat.

Im Juli sprach das Amtsgericht eine 54-jährige Frau aus Eisenhüttenstadt wegen fahrlässiger Tötung eines Ehepaars für schuldig, das ebenfalls während des Sandsturm-Unfalls ums Leben gekommen war. Der Richter sah jedoch von einer Strafe ab und beließ es bei einer Verwarnung. Die Angeklagte will in der nächsten Instanz allerdings einen Freispruch erreichen. Der Prozess vor dem Landgericht Rostock wird voraussichtlich 2016 beginnen.
 

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