Bankräuber graben 30-Meter-Tunnel

<strong>Tatort unterirdisch:</strong> Die Bank in  Berlin Steglitz<foto>dpa</foto>
Tatort unterirdisch: Die Bank in Berlin Steglitzdpa

svz.de von
14. Januar 2013, 06:30 Uhr

Berlin | Ein spektakulärer Coup ist Gangstern in Berlin gelungen. Wie im Film drangen sie durch einen 30 Meter langen Tunnel in eine Bankfiliale ein und räumten dort zahlreiche Schließfächer aus. Nach ersten Erkenntnissen gruben die unbekannten Täter den Gang selbst, wie die Polizei gestern mitteilte. Der Tunnel beginne mit einem Durchbruch in einer Tiefgarage hinter der Bank, so eine Polizeisprecherin. "Das war professionell aufgebaut". Die Polizei ist sich sicher, dass ein solcher Tunnel nicht in einer Nacht zu buddeln ist. Der Bau könne Tage oder Wochen gedauert haben. In der Nacht zum Montag gelang den Einbrechern dann offenbar der Durchbruch in den Raum der Bank. Dort räumten die Täter private Schließfächer aus. Sie konnten mit der Beute unerkannt fliehen - wie viel Geld die Bande mitnahm, war zunächst unklar.

Der Einbruch war am frühen Montagmorgen über Umwege aufgeflogen. "Ein Anwohner bemerkte gegen 6.15 Uhr Rauch in der Tiefgarage", sagte die Sprecherin. Die alarmierten Sicherheitskräfte entdeckten dann den Durchbruch in der Garage. Vermutlich hätten die Täter das Feuer gelegt, um Spuren zu verwischen. In der Tiefgarage gebe es einzelne Stellplätze, die mit Rolltoren abgetrennt und deshalb nicht von außen einsehbar seien. Von dort aus konnten die Täter unbehelligt graben und bauen.

Der gutbürgerliche Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Berliner Westen war wiederholt Schauplatz spektakulärer Banküberfälle und Geiselnahmen. Erst im Dezember hatte ein Mann dort eine Bank überfallen. Er hielt neun Stunden einen Angestellten als Geisel in seiner Gewalt, bevor die Polizei ihn zum Aufgeben bewegte. Auch einen Tunnel gruben Gangster dort nicht zum ersten Mal. Im Juni 1995 waren vier Räuber über einen selbst gegrabenen Tunnel in eine Bank in Zehlendorf eingestiegen und hatten 16 Geiseln genommen. Kurz bevor die Polizei das Gebäude stürmte, flohen die sogenannten Tunnelräuber mit ihrer Beute durch die Röhre. Diesmal stellten es die Täter schlauer an - sie verschwanden ohne Geiselnahme und akuten Polizeialarm mit ihrer Beute. Wenn gerade keine Räuber unterwegs sind, lässt es sich an der Schlossstraße in Berlin-Steglitz gut flanieren. Die Bankfiliale an der Ecke Wrangelstraße blieb zumindest gestern geschlossen. Polizisten und Kriminaltechniker sicherten dort Spuren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen