Aus dem Gerichtssaal : Anklage wegen Kreativ-Buchhaltung

Gerüstbauer soll dem Fiskus Geld vorenthalten haben.

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14. Januar 2016, 21:00 Uhr

Weil er über mehrere Jahre Steuern und Sozialbeiträge hinterzogen hat, muss sich seit gestern ein 46 Jahre alter Gerüstbauer vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Unternehmer vor, in der Zeit von Februar 2003 bis Mai 2008 dem Finanzamt, der Krankenkasse und der Bau-Berufsgenossenschaft über eine Million Euro vorenthalten zu haben.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Steuerbehörden beschäftigte er bis zu 20 Mitarbeiter offiziell immer wieder als gering verdienende Minijobber. Einen guten Teil des vereinbarten Lohns bekamen sie am Monatsende „schwarz“ auf die Hand. Um den Geldfluss zu verschleiern bekam er offenbar von (Schein)-Firmen Rechnungen für Leistungen, die diese gar nicht erbracht hatten. Außerdem soll er immer wieder die Umsatzsteuer, die er anderen Firmen in Rechnung stellte und von diesen kassierte, nicht ans Finanzamt weitergeleitet haben.

Zu Beginn des Prozesses stellte das Gericht in Absprache mit der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger eine Strafe zwischen zwei und drei Jahren Haft in Aussicht. Falls das Gericht am Ende des Prozesses zwei Jahre für angemessen erachtet, könnte die Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch ein umfassendes Geständnis, womit der Angeklagte gestern begann. Ihm sei in der Geschäftsführung so manches über den Kopf gewachsen, fasste sein Anwalt den Grund für die finanziellen Unregelmäßigkeiten zusammen.

In einem Dorf südlich von Schwerin ist er als zweitjüngstes von elf Kindern aufgewachsen. Nach der Schule lernte er Tierzüchter. Aber gleich nach der Wiedervereinigung lockte ihn ein gut bezahlter Job als Gerüstbauer nach Brunsbüttel an die Elbmündung. „Das war genau mein Ding“, sagte er vor Gericht. Er arbeitete sich schnell hoch zum Kolonnenführer und Vorarbeiter. 1995 kam er zurück nach Mecklenburg-Vorpommern und machte sich 2000 selbstständig.

„Die Nachfrage war gut, weil die Qualität unserer Arbeit gut war.“ In seinen besten Zeiten hatte sein Unternehmen 20 Mitarbeiter und machte pro Monat bis zu 40 000 Euro Umsatz. Die besten Aufträge bekam er von einer Werft in Bremerhaven, wo er Schiffe für Reparaturen einrüstete. Er räumte ein, dass durch seine Firma andere Unternehmen vor Ort weniger zu tun bekamen. Möglicherweise führte dies auch zu jenem anonymen Hinweis an die Steuerbehörden, der seine „kreative“ Steuer- und Lohnbuchhaltung 2008 auffliegen ließ. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

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