Nach Missbrauchsfällen in Schwerin : Alleingelassen vom Jugendamt

Wenn Kinder Opfer von Gewalt werden, benötigen sie dringend Hilfe. Das Jugendamt kann diese leisten. Doch nicht immer reagiert die Behörde, wie es sich Hilfesuchende wünschen würden.
Wenn Kinder Opfer von Gewalt werden, benötigen sie dringend Hilfe. Das Jugendamt kann diese leisten. Doch nicht immer reagiert die Behörde, wie es sich Hilfesuchende wünschen würden.

Leser schildern bewegend ihre Erfahrungen mit den Behörden

von
13. Januar 2016, 21:00 Uhr

Der Missbrauchsfall in einem Schweriner Jugendtreff und das Verhalten des Jugendamtes beschäftigt viele Leser. Eine große Zahl an Reaktionen erreichte uns gestern per Mail und auf unseren Online-Kanälen. Wie so oft sind es gerade schlechte Erfahrungen, die Leser letztlich zu Kommentaren bewegen, positive Reaktionen finden selten den Weg in die Öffentlichkeit.

So schreibt Angelika Frank: „Meine Erfahrungen mit dem Jugendamt waren durch die Bank schlecht – geholfen hat mir niemand.“ Janett Treichel berichtet: „Wir sind Türen in Behörden und Ämtern eingelaufen.... uns wurde nicht geglaubt... das Schlimme ist, man verzweifelt... jeder Strohhalm an den man sich hält knickt um ... und man muss wieder aufstehen ... jetzt können wir nur hoffen dass die Therapien helfen...“
Gerlind Goltz aus Boizenburg schrieb uns einen bewegenden Leserbrief, der sich nicht auf das Jugendamt Schwerin bezieht, sondern auf ihre Erfahrungen in ihrem Landkreis:

„Ich habe 2014 ein 16- jähriges Mädchen bei mir aufgenommen. Es ist eine Freundin meines Sohnes. Die Mutter war nie da und hat sich auch sonst nicht um Paula* gekümmert. Mit der Mutter konnte man nicht reden. Ich habe das Kind versorgt, bekleidet und ihm ein Zuhause gegeben. Das Jugendamt wusste Bescheid und ich habe um Hilfe gebeten, jede Woche angerufen und es passierte nichts. Die Mutter kam in Haft und auch das störte keinen. Bis ich dann im November 2015 zum Anwalt ging und dann passierte mal was. Jetzt lebt Paula bei uns als Pflegekind. Sie hat sich immer wieder die Arme aufgeritzt und ich wollte sie nicht im Stich lassen. Paula ist ihr ganzes Leben von einem zum anderen geschickt worden, mal bei Verwandten mal im Heim. Dem Jugendamt war Paula und ihr Leben bekannt und trotzdem hat sich keiner drum gekümmert, wo sie ist. Dass sie hungern musste, nichts zum Anziehen hatte und kein Zuhause. Die Mutter hatte sie ja rausgeschmissen. All das wusste das Amt. Ich habe ein Jahr ein fremdes Kind versorgt, auf meine Kosten und es kümmerte keinen. Jetzt bekomme ich Pflegegeld und Paula wird auch ihre Schule zu Ende machen. Das ist ein Fall, der auch anders ausgehen hätte können. Was wäre gewesen, wenn ich Paula nicht aufgenommen hätte? Ich wollte Ihnen das mal schreiben, weil man alleine gelassen wird und vom Jugendamt keine Hilfe bekommt.“

*Name von der Redaktion geändert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen