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Die Aufklärung dauert noch Wochen : A19-Unfall: Ermittlungen laufen

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In der Senke bei Kilometer 100,5 auf der Autobahn 19 bei Rostock ist nicht mehr zu erahnen, dass hier vor drei Monaten bei dem schlimmsten Massencrash in Deutschand seit 20 Jahren acht Menschen ihr Leben verloren.

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erstellt am 06.Jul.2011 | 10:30 Uhr

Rostock/Kavelstorf | In der Senke bei Kilometer 100,5 auf der Autobahn 19 bei Rostock ist nicht mehr zu erahnen, dass hier vor drei Monaten bei der schlimmsten Massenkarambolage in Deutschland seit 20 Jahren acht Menschen ihr Leben verloren. 83 Autos waren in einem Sandsturm ineinandergerast, insgesamt 131 Menschen wurden verletzt. Seither sind die Sachverständigen des Prüfkonzerns Dekra dabei, den Unfall minutiös zu rekonstruieren. Der Rostocker Oberstaatsanwalt Holger Evermann sagt zwar, dass es extrem schwierig sei, jedes kleine Detail nachzuvollziehen. "Ich habe aber gute Hoffnung, dass sich der Unfall rekonstruieren lässt."

Nach einer langen Trockenperiode Ende März und Anfang April hatte heftiger Wind binnen kürzester Zeit eine undurchschaubare Wand über der Autobahn aufgebaut. Der Sand war von den riesigen Feldern entlang der Autobahn abgetragen worden. Es sei richtig dunkel geworden, die Sicht sei gegen Null gegangen, berichteten Unfallbeteiligte. Laut bisherigen Ermittlungen krachten die Autos binnen dreieinhalb Minuten ineinander. Ein Inferno, das ganz Deutschland beim Anblick der Bilder schockierte.

Inzwischen wurden rund 120 Unfallbeteiligte befragt, wie in einem riesigen Puzzle wird jedes Details eingefügt. Nach Angaben Evermanns wurde das gesamte Unfallgeschehen aufgeteilt: Ein Unfall in Fahrtrichtung Berlin mit 23 Autos, der andere in Richtung Rostock mit 60 Autos. Dort brannten auch die Wagen und starben die Menschen. "Wir rechnen für den Unfall Richtung Berlin bis August mit den letzten Ergebnissen, bei dem in Richtung Rostock wird es bis Ende des Herbstes dauern", erklärt Evermann. Erst dann könne endgültig über weitere juristische Schritte entschieden werden. Einige Unfallbeteiligte müssten allerdings damit rechnen, sich wegen fahrlässiger Tötung oder fahrlässiger Körperverletzung verantworten zu müssen. "Ich muss alles anstellen, um einen Verantwortlichen für den Tod eines Verkehrsteilnehmers zu finden", erläutert Evermann. Auch müsse dem Verdacht "des grob verkehrswidrigen, rücksichtslosen oder zu schnellen Fahrens an unübersichtlichen Stellen" nachgegangen werden.

Derweil läuft der Verkehr auf der A19 laut Polizei wie vor dem Unfall ohne jede Geschwindigkeitsbegrenzung - zum Missfallen von Andrea Leirich, Geschäftsführerin der Verkehrswacht Mecklenburg- Vorpommern. Der Verband spricht sich für ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde aus. Nicht nur wegen der Massenkarambolage, sondern auch wegen der demografischen Entwicklung mit älter werdenden Verkehrsteilnehmern.

Nach Meinung mancher Experten könnten zudem Hecken das Entstehen von Sandstürmen dieses Ausmaßes verhindern, andere dagegen stellen das infrage. Agrarminister Till Backhaus (SPD) lobte die Initiative des Verbands Biopark. Dieser will 3,5 Kilometer Hecken zum Erhalt der biologischen Vielfalt pflanzen. Skeptisch blickt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf diese Aktion. Der einreihige Heckenbau bringe nicht viel, nur mit dreireihigen Hecken könnten Sandstürme wirksam verhindert werden.

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