Hintergrund : Paketflut zwingt zum Netzausbau

25 000 Postsendungen aus Nicht-EU-Ländern wurden  kontrolliert.
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25 000 Postsendungen aus Nicht-EU-Ländern wurden kontrolliert.

Der boomende Onlinehandel verspricht Logistikern glänzende Zuwachsraten – sie stecken Millionen in neue Versandzentren

svz.de von
21. September 2017, 12:00 Uhr

Dilemma im Postgeschäft: Deutlichen Rückgängen im Briefgeschäft steht eine stetig steigende Paketzustellung gegenüber. WhatsApp, Facebook und Co. haben das tägliche Briefaufkommen bei der Deutschen Post seit 2006 von einst 72 Millionen Sendungen auf 59 Millionen sinken lassen. Während der Logistikriese nun Konequenzen zieht und drei Monate lang neue Formen der Briefzustellung testet, zwingt das boomende Paketgeschäft zum Ausbau der Paketzentren. Ausgewählte Kunden können derzeit wählen, ob sie Briefe als Sammelzustellung an einem Wochentag, an drei Wochentagen oder an fünf Tagen, dann aber an den Arbeitsplatz, geliefert bekommen wollen. Im Paketgeschäft ist an der Tageszustellung nicht zu rütteln.

Deutschlands Paketzentren ächzen unter einer Dauerlast, denn der Onlinehandel drückt immer mehr Waren in die Netze. „Die Infrastruktur muss optimiert werden“, beschreibt Ingo Bertram vom Paketdienstleister Hermes die Lage. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma des Otto-Versandes und gehört zu den größten Konkurrenten des Branchenprimus Deutsche Post DHL. Erst im vergangenen April hatten die Hamburger in Bad Rappenau in der Nähe von Heilbronn ein neues Logistikzentrum, in dem bis zu 25 000 Sendungen pro Stunde sortiert werden können, eröffnet.

Das größte und modernste Paketzentrum in Deutschland ist seit gut einem Jahr in Obertshausen bei Frankfurt in Betrieb. Die Deutsche Post hatte hier einen neuen Standort eröffnet – es ist das 34. Paketzentrum des Unternehmens. Doch bei den Bonnern geht es weiter Schlag auf Schlag: Jetzt startet das Unternehmen in Bochum den Bau eines weiteren großen Paketzentrums.

Wie in Obertshausen sollen hier bis zu 50 000 Pakete pro Stunde oder 400 000 pro Schicht sortiert werden können und 600 neue Jobs entstehen. Insgesamt hat die Post nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren rund 750 Millionen Euro in den Ausbau ihres Paketnetzes gesteckt. Bereits heute sei die Post in der Lage, in jeder Betriebsstunde mehr als eine Million Sendungen in ihren Paketzentren zu bearbeiten, erklärte eine Unternehmenssprecherin.

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