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Streit um Boden: Verträge können gekündigt werden : Pächter bangen um ihre Datschen

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Sie bauten auf Land, das ihnen nicht gehörte. Sie machten ihre Hütten zu schmucken Freizeitheimen. Und die Pächter störten sich nicht an den zu DDR-Zeiten errichteten Datschen. Nun droht den Hüttenbesitzern der Verlust.

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 08:14 Uhr

Rostock | Sie haben auf Land gebaut, das ihnen nicht gehörte. Sie bauten ihre Hütten oft liebevoll zu schmucken Freizeitheimen aus. Und die Pächter störten sich nicht an den zu DDR-Zeiten auf Rest- und Splitterflächen errichteten Wochenend- und Erholungsdatschen. Denn sie kassierten bescheidene Pachtzinsen. Doch nun droht den Hüttenbesitzern der Verlust. Laut Schuldrechtsanpassungsgesetz aus dem Jahre 1994 können die Grundbesitzer zum 1. Januar 2015 die Verträge kündigen. Vor allem Besitzer von Datschen in attraktiver Lage an der Ostsee fürchten nun um ihre Heiligtümer.

Die Verunsicherung ist groß, sagt Holger Becker vom Verband deutscher Grundstücksnutzer (VDGN). Gerade im wasserreichen MV, wo viele Wochenendhäuschen an der Küste, an Seeufern und Flüssen entstanden, seien die Begehrlichkeiten groß. "Vor allem, wenn der große Investor kommt, der die Umwidmung der Flächen zu Bauland mit der Portokasse zahlen kann, droht der Rausschmiss."

Der Nordosten muss sich auf eine Reihe Rechtsstreitigkeiten einstellen, sagt der Rostocker Rechtsanwalt Ron Westenberger, der bereits erste Datschenbesitzer juristisch berät. Bei Ahrenshoop zum Beispiel gebe es etwa 30 solche Erholungsgrundstücke in 1-A-Lage, die nun Alteigentümer zurückwollten. Auch an der Ostseeküste bei Wismar streiten inzwischen Grundstückseigner und Pächter. Betroffen seien nicht nur Datschen. In und um Rostock zum Beispiel drängten neue Bodeneigentümer auf den Abriss von Garagen, für die der Bestandsschutz schon 2007 ausgelaufen war.

Die Experten raten zu Gelassenheit. Denn viele Grundstücke befinden sich in Außenbereichen, sind also relativ wertlos. In den Fällen, wo sich die Grundstücke im Besitz von Kommunen oder Kirchgemeinden befinden, sollte man das Gespräch suchen. Vorsicht sei allerdings geboten, wenn Erbengemeinschaften im Spiel seien. "Es wird keine automatische Enteignung geben. Vorher bedarf es in jedem Fall einer Vertragskündigung", so Becker. Außerdem haben die Pächter Anspruch auf Entschädigung. Je lukrativer die Lage, um so besser. "Wir gehen von Entschädigungen aus, die etwa zwölfmal so hoch ausfallen wie die vom neuen Eigentümer geplante spätere Jahresmiete für das Objekt." Von daher sollten sich die Verpächter keinen Illusionen hingeben, warnt Becker. Im Zweifelsfall sollte man ein Wertgutachten erstellen lassen.

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