Freiwilliger Naturschutz kommt an : Paddeln im Bett der Bachmuschel

Wassersportler sind  mit Kanus auf der Warnow zwischen Weitendorf und Sternberg unterwegs.
Wassersportler sind mit Kanus auf der Warnow zwischen Weitendorf und Sternberg unterwegs.

Um die Gewässer zu schonen, wurden für Sternberger Seenland Schutzregeln vereinbart

svz.de von
18. September 2015, 21:00 Uhr

Vorsichtig setzen Katja und Marcus Berg die Kanus für ihre Paddeltour ins Wasser der Mildenitz. Das Paar aus dem Hunsrück hat für sich und die Kinder Marike und Johannes eine Tageswanderung durch das idyllische Sternberger Seenland östlich Schwerins geplant. Ruhe genießen, Eisvögel beobachten und dabei sportliche Abwechslung erleben – das seien ihre Gründe für die Wahl der Route, sagt Katja Berg. Dass sie dabei auf die Umwelt Rücksicht nehmen, gehöre dazu.

Im Revier von Warnow und Mildenitz gelten seit vier Jahren Naturschutzregeln, die auf freiwilligen Verzicht statt auf generelle Fahrverbote setzen. Der „Vereinbarung zum Kanusport und -tourismus im Naturpark Sternberger Seenland und westlichen Teil des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide“ 2011 schlossen sich 14 Partner an: Bootsverleiher, Umweltamt und Landkreis. Die neue Fassung der Übereinkunft von Anfang 2015 trägt 19 Unterschriften. Der Kreis-Naturschutz-Verantwortliche Nils Meyer bedauert aber, dass nicht alle Touristiker mitmachen und der Landes-Anglerverband gar nicht mit im Boot ist.

Dennoch sei es besser, beim Naturschutz auf Freiwilligkeit statt auf Sperrungen und Verordnungen zu setzen, meint Meyer. Der „moralische Druck“ habe bereits zu einer deutlichen Beruhigung in der sensiblen Gewässerlandschaft beigetragen. Ganz ohne Verbote gehe es dennoch nicht: Seit drei Jahren dürften im Warnowtal bei Karnin wegen des extremen Niedrigwassers keine Boote mehr fahren.

Auch die Touristiker wollten nicht den sprichwörtlichen Ast absägen, auf dem sie sitzen, sagt Kanuverleiher Sven-Erik Muskulus, der schon 2011 der freiwilligen Vereinbarung beitrat. Bei Niedrigwasser von unter 30 Zentimetern würden betroffene Abschnitte nicht mehr befahren. Paddel und Boote könnten sonst den Grund beschädigen und störten so das Wachstum der bedrohten Bach- oder Kleinen   Flussmuschel.

Immer öfter würden Touren verlegt oder notfalls die Kanus über Land an den zu seichten Stellen vorbeigetragen. Schilder, Flyer und Online-Karten informierten über extrem flache Abschnitte. „Ohne diese Selbstbeschränkung wäre die Natur hier irgendwann verbraucht“, vermutet Muskulus. So könnten die freiwilligen Schutzmaßnahmen dazu beitragen, dass die Gewässer Mecklenburgs auch künftig befahren werden dürften und nicht kompletten Schutzstatus samt Nutzungsverbot erhielten. Der Naturschutzbund sieht dennoch weiter Gefahren vor allem für die Warnow-Durchbruchstäler. Das Problem sind aus seiner Sicht eher die privaten Kanuten, die eben nicht vorher ins Netz schauen, ob die Wasserstände das Paddeln eigentlich zulassen.

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